ZH: Kritik an Pfarrer Siebers Notschlafstelle

Die Sozialwerke Pfarrer Sieber haben am 18. Dezember eine neue Notschlafstelle für Wanderarbeiter aus dem EU-Raum eröffnet. Die Unterkunft in Zürich-Seebach stösst beim Zürcher Sozialvorsteher, Martin Waser, auf Kritik, wie der «Tagesanzeiger» am 18. Dezember schreibt.


Die Auffangeinrichtung «Brot-Egge» in Zürich Seebach bietet rund 20 Ausländern auf Arbeitssuche einen Notschlafplatz, wie ref.ch am 17. Dezember berichtete.

Man habe «eine markante Zunahme von Ausländern aus EU-Staaten auf Arbeitssuche» festgestellt, heisst es in der Mitteilung vom 17. Dezember. Diese Personen sollten nicht vom Erfrierungstod bedroht sein. Mit dem Angebot wolle man gerade um die Weihnachtszeit herum «christliche Nächstenliebe konkretisieren», heisst es weiter.

Angebot sei «nicht nötig»
Der Zürcher Sozialvorsteher Martin Waser kritisiert das Angebot der Sozialwerke gegenüber der Zeitung. Pfarrer Siebers Angebot sei «nicht nötig», die Stadt hätte bei einem Notstand genügend Mittel, um einzuschreiten. Dieser Notstand existiert gemäss Waser derzeit aber nicht. Gleich wie Waser sieht es auch Regula Rother von der Stadtmission Zürich. Das Angebot sei nicht dringend. Damit die Stadtmission Zürich eine Notschlafstelle für Wanderarbeiter eröffnet, müssen die Temperaturen in der Stadt in der Nacht auf minus fünf Grad Celsius fallen.

Die Stadtmission Zürich hatte vergangene Winter selbst eine Notschlafstelle in Betrieb genommen. Insgesamt habe es 460 Übernachtungen von Personen aus 17 Nationen, vorwiegend aus EU-Ländern, gegeben, sagte Rother im Oktober gegenüber der Nachrichtenagentur Kipa.

Lediglich Nothilfe anbieten
Die Stadtmission könne mit dem temporären Angebot lediglich Nothilfe anbieten, sagte Rother. Man wolle nicht Menschen während drei Monaten «durchfüttern» und so «falsche Hoffnungen» schüren. Bei den Personen, die das Angebot beanspruchten, handle es sich um schlecht qualifizierte Menschen, die realistischerweise keine Chance auf dem Schweizer Arbeitsmarkt hätten.