Syrien

Zehntausende Zivilisten verschleppt und eingesperrt

Eine von den Vereinten Nationen eingesetzte Kommission berichtet von Kriegsverbrechen in Syrien. Das Assad-Regime soll Zivilisten willkürlich festhalten und foltern.

Das syrische Assad-Regime hält laut einer Untersuchung der UN weiterhin Zehntausende Zivilisten willkürlich und unter schlimmsten Bedingungen gefangen. Viele Menschen seien in der Haft getötet worden oder schon seit Beginn des Syrien-Konflikts vor gut zehn Jahren eingesperrt, teilte eine UN-Untersuchungskommission am Montag, 1. März, in Genf mit.

In einem Report der Kommission heisst es, dass Inhaftierte Folter und sexueller Gewalt ausgesetzt seien. Zwar habe das Regime des Präsidenten Baschar al-Assad die meisten der betroffenen Menschen verschleppt, doch auch andere Parteien des Bürgerkriegs hätten sich schuldig gemacht.

100 verschiedene Gefangenenlager

Alle Verschleppungen und alle Verbrechen müssten aufgeklärt werden, verlangte der Vorsitzende der UN-Kommission, Paulo Sérgio Pinheiro. Hunderttausende Familienmitglieder hätten ein Recht zu erfahren, was mit ihren Angehörigen geschehen sei. Doch nur in wenigen Fällen hätten Ermittlungen stattgefunden. Verschleppungen und Verhaftungen seien Instrumente, um Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten. Die UN-Kommission führte über 2500 Interviews innerhalb von zehn Jahren zu dem Thema. Mehr als 100 Gefangenenlager seien erwähnt worden.

Der Syrien-Krieg begann 2011 mit einem Volksaufstand gegen Baschar al-Assad. Rebellen und Terrorgruppen eroberten weite Teile des Landes. Mit Hilfe Russlands und des Irans gewann Assad die meisten Gebiete zurück. In die Kämpfe griffen auch die USA, die Türkei und weitere Länder ein.

Der UN-Menschenrechtsrat setzte 2011 die Untersuchungskommission zu Syrien ein, um Kriegsverbrechen und andere Verstösse gegen internationales Recht zu dokumentieren. Das Assad-Regime verweigert die Kooperation mit den Ermittlern. (epd)