«Wir wissen jetzt, wohin die Reise geht»

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in der Schweiz (Heks) hat am 5. Juli einen neuen Direktor gewählt. Nach dem kurzfristigen Abgang von Andreas Kressler im Dezember soll Peter Merz nun für Kontinuität sorgen.

Der neue Heks-Direktor Peter Merz bringt viel Erfahrung in der Auslandarbeit mit.
Der neue Heks-Direktor Peter Merz bringt viel Erfahrung in der Auslandarbeit mit. (Bild: Heks)

Herr Merz, Sie sind seit acht Jahren für das Heks tätig. Warum sind Sie für die Stelle als Direktor geeignet?

Ich denke, dass ich durch meine Tätigkeit in der internationalen Zusammenarbeit und der Geschäftsleitung des Heks gute Voraussetzungen für diese Aufgabe mitbringe. Ich weiss, wie internationale Organisationen funktionieren, habe mehrere Jahre im Ausland gearbeitet und verschiedene grosse Projekte geleitet. Auch die Inlandarbeit des Heks ist mir einigermassen vertraut. Für den Stiftungsrat war wohl auch wichtig, dass nach den Turbulenzen durch den Abgang des letzten Direktors Andreas Kressler wieder Kontinuität in die Organisation kommt. Als Mitglied der Geschäftsleitung habe ich die Umsetzung und Weiterentwicklung der Strategie der letzten Jahre mitgetragen. Es kommt also nicht eine neue Person mit völlig neuen Ideen.

 

War es also ein strategischer Entscheid, dass man sich für eine Person aus dem eigenen Haus entschieden hat?

Das müssten Sie eigentlich den Stiftungsrat fragen. Ich kann nur betonen, dass meine Wahl keine Berufung war, sondern im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung mit einem offenen Ausgang erfolgt ist. Es gab also einen normalen Bewerbungsprozess mit internen und externen Kandidaten, bei dem sich der Stiftungsrat am Ende für mich entschieden hat.

 

In den vergangenen Monaten gab es einige Unruhe beim Heks – einerseits durch den kurzfristigen Abgang des letzten Direktors, andererseits durch Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Stiftungsrates über die einzuschlagende Strategie. Worum ging es da?

Dazu möchte ich mich nicht äussern. Viel wichtiger scheint mir, dass wir jetzt nach vorne schauen.

 

Sind die Differenzen denn mittlerweile beigelegt?

Ja, wir haben hinsichtlich der Strategie 2018-2022 eine Übereinstimmung erreicht. Wir wissen, wohin die Reise des Heks in den nächsten Jahren gehen soll. Es ist zwar richtig, dass es in der Vergangenheit unterschiedliche Einschätzungen über die Zusammenarbeit in operationellen und strategischen Fragen gab, aber es gab nie vehement kontroverse Diskussionen zur Frage, wie sich das Heks positionieren soll.

 

Immerhin sind vier Stiftungsräte auf einen Schlag zurückgetreten…

Der Abgang von Andreas Kressler hat zweifellos für Unruhe gesorgt – sowohl beim Kader und bei Mitarbeitenden wie auch im Stiftungsrat. Das wurde damals ja auch entsprechend kommuniziert.

 

Ganz konkret: Wie will sich das Heks künftig positionieren?

Die Strategie 2018–2022 gibt mir und der gesamten Geschäftsleitung die Orientierung. Wir führen die Arbeitsschwerpunkte der letzten Jahre weiter, soziale Integration und Chancengleichheit im Inland, Zugang zu Land und Schaffung von Einkommensperspektiven in der Auslandarbeit. Zudem wollen wir unsere humanitäre Hilfe für die Menschen in akuten Notsituationen ausbauen.

 

Wann werden die neuen Stiftungsräte bekannt sein?

Derzeit laufen die Vorgespräche mit den Kandidatinnen und Kandidaten. An der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes im November sollen dann der Präsident und die zwei anderen Mitglieder des Stiftungsrates, die per Ende Jahr zurücktreten, ersetzt werden.

 

Was ist eigentlich Ihr persönliches Verhältnis zur Kirche?

Meine Frau ist reformierte Pfarrerin in Hettlingen ZH. Ich bin so als Pfarrmann engagiert in unserer Kirchgemeinde. Daher und aus meiner langjährigen Arbeit beim Heks sind mir die Kirchenstrukturen wohl vertraut. Und natürlich kenne ich verschiedene Kirchenvertreter vom jährlichen Osteuropa-Tag der Kirchlichen Zusammenarbeit her, oder weil ich unsere Projektarbeit auch immer wieder direkt in den Kirchgemeinden vorstelle.