Frau Durrer, warum sind die Frauen im neu geschaffenen Fachgremium «Institut für Theologie und Ethik» so stark untervertreten?
Vorweg: Ich wünschte mir auch mehr Frauen in diesem Gremium. Schauen wir aber das Berufungsverfahren genauer an, treten die Gründe für die Männerlastigkeit hervor. Drei Mitgliedergruppen sind im Gremium vertreten: Fünf Delegierte von den theologischen Fakultäten (alles Männer, Anm. d. Red.), sieben externe Mitglieder (davon drei Frauen) und fünf Vertreter vom SEK (wiederum alles Männer). Wir vom SEK konnten Einfluss geltend machen bei den SEK-Vertretern und den externen Mitglieder. Und bei Letzteren ist uns mit drei Frauen durchaus auch ein angemessenes Gleichgewicht der Geschlechter geglückt.
Dafür sind die fünf SEK-Vertreter allesamt Männer.
Ja, das ist korrekt. Um im Gremium mitzuarbeiten wird aber ein Theologiestudium mit Promotion vorausgesetzt. Und nun ist es einfach eine Tatsache, dass beim SEK einzig Männer arbeiten, welche über solche Voraussetzungen verfügen.
Wie kommt das?
Wir haben langjährige, kompetente Mitarbeitende beim SEK, die über solche Qualifikationen verfügen – aber darunter sind keine Frauen. Diese Situation hat dazu beigetragen, dass der SEK nur Männer in das Gremium entsendet hat. Das ist nicht optimal, ergibt sich aber aus der Vergangenheit und ist zurzeit einfach nicht anders lösbar. Wir können ja nicht einem Mann kündigen, nur weil er ein Mann ist.
Aber bei einer nächsten Vakanz eine Frau berücksichtigen.
Der SEK achtet sehr stark darauf, ein gutes Gleichgewicht von Männern und Frauen bei künftigen Anstellungen zu erreichen. Wir haben ja auch mehrere Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Das Thema ist uns sehr wichtig.
Zu der Gruppe von Delegierten der Theologischen Fakultät: Auch dort sitzen nur Männer.
Ja, aber wir als SEK hatten auf die Zusammenstellung dieser Guppe keinen Einfluss. Jede Fakultät entscheidet selbst, welchen Delegierten sie stellt.
Und warum waren es auch dort nur Männer?
Ohne jetzt für die Fakultäten sprechen zu wollen, so vermute ich, dass es die Situation im akademischen Umfeld widerspiegelt. Dieses wird noch immer massgeblich von Männern geprägt, was vielfältige Gründe hat. So kommen beispielsweise gut qualifizierte Frauen mit Kindern bei der Anzahl Publikationen ins Hintertreffen – schlicht und einfach, weil ihnen für diese die Zeit fehlt. Die Anzahl Publikationen wiederum sind aber entscheidend für die Karriere. Sie sehen, die Gründe sind vielfältig und es lässt sich auch nicht so einfach einen Schuldigen finden, warum es für Frauen mitunter noch immer sehr viel schwieriger ist, sich durchzusetzen. Ich möchte aber noch anmerken: Es sind im neuen Gremium noch immer drei Plätze unbesetzt. Wir haben diese bewusst nicht vergeben, weil wir künftig ein bessere Frauenvertretung erreichen möchten. Das «Institut für Theologie und Ethik» soll sich dadurch auch entwickeln können.
Rückblickend betrachtet, was würden Sie in der Kommunikation des SEK anders machen, wenn in einem Gremium Frauen so untervertreten sind?
Unglücklich war sicher, dass auf dem mitversendeten Bild bis auf eine Frau nur Männer zu sehen waren. Aber letztlich ist das ein Fakt, dass es – aus verschiedensten Gründen – für Frauen noch immer sehr viel schwieriger ist, in solch einem Gremium Platz zu nehmen.
Zur ref.ch-Meldung «Kirchenbund gründet Fachgremium mit theologischen Fakultäten»