Das Hilfswerk der Evangelischen Kirche Schweiz Heks finanziert das EAPPI-Programm mit 245‘000 Franken im Jahr 2014. Das Ziel von EAPPI ist gemäss eigenen Angaben, «Palästinensern und Israelis in ihrem gewaltlosen Engagement für Frieden und Menschenrechte zu unterstützen und durch weltweite Sensibilisierungsarbeit zu einem Ende der Besetzung und zu einer gerechten Friedenslösung beizutragen». EAPPI ist vom Ökumenischen Rat der Kirchen initiiert und geleitet. Im Rahmen dieses Programms werden Menschenrechtsbeobachter jeweils für rund drei Monate in die Region geschickt.
Herr Schmid, gemäss SIG schreibt eine EAPPI-Absolventin antisemitische Mails an den SIG. Passt das mit den friedensfördernden Zielen von EAPPI zusammen?
Olivier Schmid: Es entzieht sich unserer Kenntnis, um was für eine Person es sich handelt und was genau sie in ihren Mails geschrieben hat. Wir können uns zu diesem konkreten Fall also nicht äussern. Grundsätzlich sind wir jedoch der festen Überzeugung, dass hasserfüllte Polemiken friedensfördernden Aktivitäten diametral zuwiderlaufen. Heks verurteilt jegliche Art von Gewalt und Aggression aufs Schärfste und distanziert sich entschieden von Antisemitismus. Mit unserer Arbeit versuchen wir, den Dialog und das Verständnis zwischen den von Konflikten betroffenen Bevölkerungsgruppen zu förden und Beiträge zum gewaltlosen Umgang mit Spannungen zu leisten.
Inwiefern überprüft Heks, ob die Absolventen dieses Programms tatsächlich etwas für Frieden und Verständnis tun?
Zusammen mit Peacewatch Schweiz zeichnen wir verantwortlich für die Auswahl, Vorbereitung und Begleitung der Menschenrechtsbeobachter in Israel/Palästina. So halten wir sie unter anderem zu einer sachlichen, kontextbezogenen Berichtestattung an und unterstützen sie bei der kritischen Reflexion über ihren Einsatz. Es handelt sich jedoch um Freiwillige und nicht um Mitarbeitende von Heks. Wir können ihnen also nach ihrer Rückkehr in die Schweiz keine verbindlichen Vorschriften machen, in welchem Kontext sie sich wie zu äussern haben.
Hat Heks Einfluss auf das EAPPI-Programm?
Die Gesamtverantwortung für das Programm liegt beim Ökumenischen Rat der Kirchen. Wir können jedoch im Rahmen von Evaluationen und Auswertungen der Einsätze unseren Einfluss geltend machen. Und wir sind auch bestrebt, Menschenrechtsbeobachter zu einem ruhigen und sachlichen Dialog anzuhalten.
Ist sich Heks der Tragweite bewusst, wenn Absolventen eines kirchlich finanzierten Programms Antisemitismus verbreiten und damit den interreligiösen Frieden gefährden?
Unser Gesamteindruck ist, dass die überwiegende Mehrheit der aus der Schweiz entsandten Menschenrechtsbeobachter sich ernsthaft um einen konstruktiven Dialog bemüht und klar von antisemitischen Strömungen distanziert. Sie stellen denn auch mit Sicherheit keine Gefahr für den interreligiösen Frieden dar. Dass einzelne Personen jedoch Positionen beziehen, die sich nicht mit der Haltung von Heks decken, können wir nicht ausschliessen.
Zieht sich Heks nun aus diesem Programm zurück?
Nein, das tun wir nicht.