Wie man einen reformierten Güggel vom Turm holt

Am Dienstag wurde der Hahn der reformierten Kirche Bruggen in St. Gallen von der Kirchturmspitze geholt. Der Güggel bekommt nach über fünfzig Jahren ein neues goldenes Kleid.

Dank Hebekran: Der Güggel kommt herunter.
Dank Hebekran: Der Güggel kommt herunter. (Bild: Andreas Ackermann)

Die reformierte Kirche Bruggen ist derzeit eingerüstet. Die Fassade des 110jährigen Gebäudes muss saniert werden. Ebenfalls Federn gelassen hat der Hahn zuoberst auf der Kirchturmspitze. Wind und Wetter haben seinem goldenen Kleid zugesetzt. Da das Baugerüst jedoch nur bis zur Turmuhr hochgezogen ist, fuhr gestern ein Lastwagen mit Hebebühne vor, welche die Turmspitze in 57 Metern Höhe erreichen konnte.

Max Bretscher, Ingenieur und Spezialist für Glocken und Kirchturmuhren, zeigte am Dienstag an einem Bild, wie er gedenkt, den Hahn samt darunterliegnder Kugel, den sogenannten Turmknopf, vom Turm zu holen. Ob es so klappen würde, wusste er nicht, denn seit der letzten Renovation in den 60er-Jahren war niemand mehr oben beim Hahn.

Dann entschwebte Bretscher mit einem Mitarbeiter und dem Steuermann der Hebebühne in Richtung Himmel. Oben angekommen untersuchten sie die Konstruktion, feilten und schraubten, rüttelten und schüttelten. Endlich lösten sich Kugel und Hahn. Mit Gurten hoben sie beides sorgfältig von der Spitze und brachten sie schliesslich sicher zu Boden.

«Güggel und Kugel sind noch in einem erstaunlich guten Zustand», sagte Bretscher. Dennoch bekommen beide einen neuen goldenen Anstrich. Zudem brachte Bretscher auch die beiden Kapseln zu Boden, die die Vorfahren beim Bau und der Renovation in der Kugel hinterlegt hatten. Welche Zeitdokumente diese enthalten, klärt sich erst in den nächsten Tagen. Dann werden die Mitarbeitenden der Kirchgemeinde Straubenzell mit der Vorsteherschaft die Kapseln auflöten und den Inhalt sichten. Ab Oktober soll sich der Güggel wieder golden auf der Spitze im Wind drehen. Und im Turmknopf gleich unter ihm liegt dann eine dritte Kapsel.