Pascale Huber, der Kommentar der reformierten Pfarrerin Sibylle Forrer zur Homo-Ehe zählt mit rund 4’000 Aufrufen bereits nach drei Tagen zu den meistgesehenen «Wort zum Sonntag»-Beiträgen auf der Website des Schweizer Radio und Fernsehens (Stand 10. Februar). Überrascht?
In erster Linie freut mich das. Überrascht hat mich dies allerdings nicht wirklich: Tragen bei Sibylle Forrers «Wort zum Sonntag» gleich mehrere Faktoren zu der grossen Reichweite bei.
Die wären?
Einerseits ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ein hoch aktuelles Thema. Auch bei einem «Wort zum Sonntag» der Pfarrerin Tania Oldenhage zum Thema Homosexualität im Januar 2014 war die Aufmerksamkeit – und die Klickzahl – überdurchschnittlich hoch.
Dann ist der Erfolg dem Thema geschuldet?
Ja, aber nicht nur. Wenn eine reformierte Pfarrerin wie Sibylle Forrer hinsteht und theologisch fundiert und verständlich Stellung bezieht, dann ist die Chance gross, dass solch ein «Wort zum Sonntag» auch sein Publikum im Internet findet. Dass die Sendung überhaupt «internettauglich» ist, hat auch mit der Länge der Beiträge zu tun.
Inwiefern?
Bei einem «Wort zum Sonntag» wird ein ein komplexes Thema so verdichtet, dass es in drei Minuten anschaulich dem Fernsehzuschauer erzählt wird. Diese Länge eignet sich hervorragend, dass ein Beitrag auch auf einem Smartphone oder Laptop angeschaut wird.
«Die Anzahl Klicks im Internet sagt nichts über die Qualität der Beiträge aus»
Die Kürze ist also ein Faktor zum Erfolg im Internet. Was noch?
Sibylle Forrer ist bereits seit Jahren in den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter aktiv. Viele Leute kennen sie bei Facebook – und, ganz wichtig: Das Publikum hat die Möglichkeit, dort auch unkompliziert ihr «Wort zum Sonntag» zu kommentieren. So hat sie denn auch auf verschiedenen Medienkanälen Dutzende Reaktionen zu ihrem Beitrag «Ehe für alle» erhalten – und bis auf wenige Ausnahmen waren sie alle positiv.
Will heissen: Der «Wort zum Sonntag»-Sprecher, der in sozialen Medien unterwegs ist, erhält viel Beachtung, zugleich schafft er sich auch viel Arbeit, weil er mit seinem Publikum intensiv im Austausch steht.
Ich bin mir nicht sicher, ob der Aufwand in sozialen Medien wirklich grösser ist, als wenn man Briefe per Post beantworten muss. Was mir aber viel wichtiger erscheint: Wir Reformierte wollen uns ja den Reaktionen aussetzten und in den Dialog mit den Menschen treten. Dieser Prozess hat eine lange Tradition in unserer Kirche. Facebook und Twitter sind geeignete Medien für den Dialog.
Sibylle Forrers «Wort zum Sonntag»-Beiträge erreichen durchwegs die höchsten Klickzahlen im Vergleich mit anderen Sprecherinnen und Sprechern. Was schliessen Sie daraus?
Was ich beobachte: Mit Sibylle Forrers Beitrag und der Dynamik in Medien wie Facebook oder Twitter erreichen wir über diese Kanäle eben auch kirchenferne Menschen. Diese sind dann oft überrascht, dass eine junge Pfarrerin solch eine Haltung vertritt, und diese auch klug begründet. Sibylle Forrer macht ihre Arbeit sehr gut – so wie die anderen Sprecher im Team auch. Die Anzahl Klicks sagt nichts über die Qualität der Beiträge aus. Vielmehr erreichen wir mit dem breiten Spektrum unserer «Wort zum Sonntag»-Sprecher verschiedene Zielgruppen, live am Samstagabend im Fernsehen oder eben im Internet.
Pascale Huber ist Radio- und TV-Beauftrage bei den Reformierten Medien. Zusammen mit der Sternstunde-Redaktion des Schweizer Radio und Fernsehens trifft sie die Wahl der reformierten «Wort zum Sonntag»-Sprecherinnen und Sprecher und betreut diese auch während der Produktionen.