Weltweites Entsetzen nach Anschlägen in Sri Lanka

Bei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka nach Polizeiangaben mindestens 215 Menschen getötet und über 500 verletzt worden. Die internationale Gemeinschaft reagierte mit Bestürzung und Anteilnahme auf die Terroranschläge.


Insgesamt gab es am Sonntag mindestens acht Detonationen in verschiedenen Teilen Sri Lankas, davon drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Die Explosionen fanden fast zeitgleich statt. Die erste wurde aus einer Kirche in der Hauptstadt Colombo gemeldet, die übrigen fünf alle innerhalb von nur 30 Minuten. Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen, bei denen mindestens 215 Menschen ums Leben kamen und über 500 verletzt wurden. Unter den Opfern sind 32 Ausländer aus 8 Staaten.

Anschläge während Ostergottesdienst

Bei den Kirchen, die Ziel der Anschläge wurden, handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Nach Polizeiangaben wurde die Attacke auf die Kirche in Negombo vermutlich von einem Selbstmordattentäter ausgeführt.

Ausserdem gab es Explosionen in den Fünf-Sterne-Hotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo. Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort Colombos mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort der Hauptstadt.

Schreckliche Szenen in Kirche

Staatspräsident Maithripala Sirisena sagte, die Streitkräfte und die Polizei gingen der «Verschwörung» auf den Grund. Premierminister Wickremesinghe sagte, die Anschläge «zielten klar darauf ab, das Land zu destabilisieren». Minister Harsha de Silva schrieb auf Twitter, in einer Kirche in Colombo habe es «schreckliche Szenen» gegeben. Alles sei mit Körperteilen übersät gewesen.

Weltweit war die Bestürzung über die Anschläge riesig. Papst Franziskus gedachte vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom der Opfer: «Ich möchte der christlichen Gemeinschaft, die getroffen wurde, als sie im Gebet versammelt war, und allen Opfern so grausamer Gewalt meine innige Nähe ausdrücken», sagte der Papst.

Uno-Generalsekretär António Guterres zeigte sich «schockiert über die terroristischen Attacken auf Kirchen und Hotels an Ostersonntag, einem heiligen Tag für Christen überall auf der Welt». Führende Politiker aus aller Welt verurteilten die Anschläge. Bundeskanzlerin Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: «Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen.»

Bestürzung auch in der Schweiz

Auch bei Schweizer Politikern und Kirchenvertretern lösten die Anschläge grosse Betroffenheit aus. Bundespräsident Ueli Maurer schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: «Im Namen des Bundesrats verurteile ich die schweren Angriffe auf religiöse Feiern in Colombo. Den Angehörigen der Opfer und den Behörden Sri Lankas spreche ich mein tief empfundenes Mitgefühl aus.»

Gottfried Locher, Ratspräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, schrieb auf Twitter, er sei entsetzt über die Gewalt in Sri Lanka: «Solche Gewalt gegen Gläubige am Fest der Auferstehung ist abscheulich. Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Opfern, deren Angehörigen und allen Hilfskräften vor Ort.»

Erste Festnahmen und landesweite Ausgangssperre

Nach Angaben der Polizei gab es inzwischen 13 Festnahmen. Wie Premierminister Ranil Wickremesinghe in einer Fernsehansprache sagte, stammten offenbar alle bislang Festgenommenen aus Sri Lanka. Auch lagen Sri Lankas Geheimdienst Hinweise auf einen möglichen Anschlag vor. Es müsse untersucht werden, warum keine entsprechenden Massnahmen ergriffen worden seien, sagte Wickremesinghe.

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene machte Extremisten für die «terroristische Attacke» verantwortlich. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen gelten soll. (sda/no)