Uni Zürich: Auf Drogen meditieren, amtlich bewilligt

Forscher der Universität Zürich suchen meditationserfahrene Testpersonen für ein «Hirnforschungs-Retreat» in einem Zen-Zentrum, wie der «Blick» am Mittwoch berichtete. Dabei erhalten die Probanden auch den «Zauberpilz»-Wirkstoff Psilocybin. Ziel der Studie ist es, mehr über das Selbst zu erfahren, erklärt Studienleiter Franz Xaver Vollenweider in einem Interview mit der Nachrichtenagentur sda.

Neuropharmakologe Franz Xaver Vollenweider will wissen, was im Gehirn von Menschen vorgeht, die Arten von Achtsamkeitstrainings wie die «Zen-Meditation» und das «Sich-Zentrieren» praktizieren. (Bild: Sreenshot Youtube)

Was wollen Sie mit der Studie herausfinden?
Wir wollen die Prozesse im Gehirn untersuchen, die unserem «Selbst»-Bewusstsein zugrunde liegen. Das Selbstbewusstsein und die sogenannte Selbstregulation erlauben es, uns als ein einheitliches «Ich» wahrzunehmen, das im Zentrum seiner Erfahrungen und Handlungen steht. So weiss ich zum Beispiel, dass ich es bin, der seine Hand bewegt und nicht jemand anderes. Dieses Selbsterleben ist etwa bei Schizophrenie-Kranken gestört, sie können zum Beispiel glauben, dass jemand das Bewegen ihrer Hand beeinflusst. Auch bei starken Depressionen verändert sich die Selbstwahrnehmung.

 

Wieso erforschen Sie dazu Meditierende?
Ein gesunder Mensch fühlt sich zentriert. Studien zeigen, dass ein Achtsamkeitstraining wie die Zen-Meditation dieses Sich-Zentrieren fördern kann. Wir wollen wissen, was dabei im Gehirn vorgeht, um die Vorgänge besser zu verstehen, die bei psychischen Erkrankungen gestört sind. Deshalb messen wir die Hirnaktivität bei den Probanden vor und nach dem Retreat mit modernen bildgebenden Verfahren.

 

Franz Xaver Vollenweider:«Wir verwenden eine geringe Dosis Psilocybin. Mystische Erlebnisse werden unsere Probanden deshalb keine haben.»

 

Welche Rolle spielt das Psilocybin dabei?
Psilocybin ist ein Hilfsmittel, es lockert vorübergehend die Aufmerksamkeit und diese Selbstregulation. Wir wollen wissen, ob erfahrene Meditierende diese Wirkung kompensieren können. Psilocybin gibt uns die einmalige Möglichkeit, die Grundlagen der Selbst-Zentrierung im Gehirn studieren. Die Erkenntnisse können später Menschen mit einer gestörten Selbstregulation zu Gute kommen. Psilocybin ist ein illegales Betäubungsmittel, das Halluzinationen und Bewusstseinsveränderungen auslösen kann.

 

Gibt es Risiken bei der Studie?
Wir haben für den Einsatz des Psilocybins eine Bewilligung vom Bundesamt für Gesundheit und auch die kantonale Ethikkommission hat die Experimente genehmigt. Wir verwenden eine geringe Dosis. Die Probanden werden eine gehobene Stimmung und Versunkenheit erleben und allenfalls die Welt visuell prägnanter wahrnehmen. Aber «mystische Erlebnisse» werden sie deshalb keine haben.

 

Wie stellen Sie sicher, dass niemand auf einen schlechten Trip kommt oder gesundheitliche Schäden erleidet?
Wir haben 20 Jahre Forschungserfahrung mit Psilocybin. Wir und andere Forschungsgruppen konnten zeigen, dass moderate Dosen in einer kontrollierten Umgebung keine angstvollen psychotischen Zustände auslösen. Zudem überwachen 5 Ärzte und 2 Psychologen fortwährend das Experiment. Wir haben ausserdem einen Wirkstoff gefunden, der die Wirkung von Psilocybin blockiert. Sie bringen zweimal 10 Testpersonen in das Begegnungszentrum Felsentor auf der Rigi.

 

Warum machen Sie die Studie nicht im Labor?
Wir wollen ein standardisiertes 5-tägiges Achtsamkeitstraining in einer ruhigen und für die Meditierenden gewohnten Umgebung durchführen. Darum braucht es auch einen erfahrenen Zen-Lehrer. Zudem hat es in dem Zen-Zentrum Platz, um das zehnköpfige Forschungsteam unterzubringen.