Theologische Fakultät Basel: Frauen in Berufungsverfahren benachteiligt?

Die Theologische Fakultät der Universität Basel ist auf der Suche nach einer Nachfolge für den abtretenden Professor Ekkehard Stegemann. Nun ist innerhalb der Fakultät Kritik am Berufungsverfahren geübt worden.


Lukas Kundert, Titularprofessor für Neues Testament, sagte gegenüber der Presseagentur Kipa, er habe «den Eindruck gewonnen, wer Schweizer oder/und wer Frau ist, hatte in diesem Berufungsverfahren schlechte Karten». Ihm seien drei Schweizerinnen bekannt, die sich beworben hätten, darunter «hervorragend ausgewiesene Fachfrauen» mit Lehrerfahrung an Hochschulen, Universitäten oder einer abgeschlossenen Habilitation. Offenbar erfolglos.

Kundert bezeichnete die Liste der Personen, die zu Probevorträgen eingeladen wurden, als «schlicht skandalös». «Nichthabilitierte Frauen ohne Chance wurden in die engere Auswahl genommen. Eine davon war die Schülerin eines in der Berufungskommission sitzenden Professors», sagte der Titularprofessor und Kirchenratspräsident der evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, gegenüber der Zeitung.

Wallraff bestreitet die Vorwürfe. Von insgesamt 37 Bewerbungen stammen zehn von Frauen. Dies entspreche einem Frauenanteil von 27 Prozent, sagte Wallraff gegenüber der Presseagentur Kipa. Bei den Personen, die in die engere Auswahl kamen, habe der Frauenanteil zwei von sieben betragen, dies seien 28 Prozent. «Ich kann nicht erkennen, dass sich daraus eine Benachteiligung von Frauen ableiten lässt.»

Bezogen auf die Gesamtzahl der wissenschaftlichen Beschäftigten liegt der Frauenanteil gemäss Wallraff um die 50 Prozent, bei den Assistierenden sogar bei 60 Prozent. Eine ordentliche Professorin gibt es aber keine. Die neun Professuren sind derzeit allesamt mit Männern besetzt. Dies sei «politisch unerfreulich», sagte Wallraff gegenüber der Zeitung. «Die heutigen Professoren haben vor zwanzig Jahren ihr Studium begonnen. Damals war der Frauenanteil noch erheblich geringer», erklärt er.

Am 19. August kommt es laut Zeitungsbericht zu einem Gespräch zwischen dem Rektor der Universität Basel, Antonio Loprieno, der Berufungskommission und Titularprofessor Kundert. Kundert hofft, dass das Verfahren nochmals von Grund auf aufgerollt werden kann.