Tagung: Die Beichte gibt es auch bei den Reformierten

Die Kirchen kennen eine Vielfalt von Formen im Umgang mit Konflikten und Schuld. Eine Tagung des Landeskirchen-Forums und der Fokolar-Bewegung unter dem Titel «frei werden, versöhnen, beichten» erörterte am Samstag, 15. März, in Frauenfeld die Thematik.


Luther ging ein Leben lang zur Beichte, Calvin hat sie sehr empfohlen, und Dietrich Bonhoeffer war ein Pionier der modernen Beichte im evangelischen Raum. Der reformierte Frauenfelder Pfarrer Jürg Buchegger machte zu Beginn der ökumenischen Tagung «frei werden, versöhnen, beichten» klar, dass die Beichte als konfessionsunterscheidendes Merkmal nicht taugt.

Katholischerseits stecke dieses Sakrament in der Dauerkrise, erklärte der gastgebende katholische Pfarrer Benedikt Wey, aber das zeige, dass es ein Urbedürfnis des Menschen gebe, frei zu werden und Versöhnung zu erleben. «Ohne Versöhnung nach innen kann das Zeugnis nach aussen nicht wirken», ergänzte der reformierte Thurgauer Kirchenratspräsident Wilfried Bührer.

Vielfalt in Entwicklung und Ausgestaltung
Die über 180 anwesenden Katholiken und Reformierten entdeckten an dieser vom Landeskirchen-Forum und der Fokolar-Bewegung organisierten Tagung, dass es in der evangelischen Tradition durchaus die Beichte gibt und diese auch heute in evangelischen Kommunitäten – und nicht nur dort – gepflegt wird. Ebenso wurde deutlich, dass die katholische Form der Beichte im Laufe der Jahrhunderte sich mannigfach verändert hat und aus negativen Erfahrungen befreit werden kann.

Die Referentinnen Eva Maria Faber, Professorin an der Theologischen Hochschule Chur, und Schwester Doris Kellerhals, Oberin des Diakonissenhauses Riehen BS, zeigten eine für beide Konfessionen überraschende Vielfalt in der historischen Entwicklung und der heutigen Ausgestaltung von Versöhnung und Beichte in den Kirchen.

Auch die persönliche Auseinandersetzung
Die Tagung habe die Anwesenden nicht nur intellektuell, sondern ganzheitlich angesprochen, teilten die Veranstalter mit. Gesang, Seelsorge-Gespräche und der Versöhnungsweg in der Umgebung der Pfarrei St. Anna in Frauenfeld hätten am Nachmittag eine persönliche Auseinandersetzung ermöglicht. In Ateliers wurden Versöhnung in der Familie, Konflikttransformation in Kirchgemeinden, Versöhnungs-Liturgien aus verschiedenen Konfessionen und neue Wege der Versöhnung sowie Seelsorge durch Laien diskutiert.

Das Landeskirchen-Forum ist ein Netzwerk von engagierten Kirchenmitgliedern «mit der Vision von gesunden und auch gegen den Trend wachsenden Gemeinden». Die Fokolar-Bewegung gehört zu den neuen geistlichen Aufbrüchen, die in den letzten 70 Jahren in den Kirchen entstanden sind.