Die grossen Screens hinter dem «Bock», dem Synodenpräsidentenpult, waren defekt. Nach der Pause liefen sie, aber mit der falschen Traktandenliste. Ein Omen für die halbtägige Sitzung? Nein. Denn diese begann buchstäblich positiv mit der Rechnung 2014 der Kantonalkirche, die mit einem Überschuss von 3,7 Millionen Franken abschliesst, der dem Eigenkapital zugewiesen wird. Ermöglicht wurde dieses gute Ergebnis dank Einsparungen bei Personal- und Sachkosten, aber auch dank einem Buchgewinn von 350’000 Franken bei den Wertschriften.
Markus Bürgin von der Finanzkommission meinte lapidar: «Machen Sie es kurz mit dieser Rechnung, da gibts nicht viel zu diskutieren.»
«Defensiver Ton»
Als Nächstes behandelte das Kirchenparlament eine Interpellation der Synodalen Jacqueline Sonego Mettner. Sie hatte bereits im November 2014 gefragt, wie der Kirchenrat Kirchgemeinden bei der Flüchtlingshilfe unterstützen wolle. Mit der schriftlichen Antwort des Kirchenrats war Sonego Mettner nur teilweise einverstanden.
Ihr gefiel zum einen der defensive Ton nicht. Zum anderen wolle der Kirchenrat christliche Flüchtlinge bevorzugen, unter anderem, weil sie sich dank ihres Glaubens leichter hier integrieren könnten. Dieses Argument sei «höchst fragwürdig», so Sonego Mettner. Man dürfe Christen nicht bevorzugen und keine Zweiklassengesellschaft bei Flüchtlingen einführen. Darüber mochte die Synode nicht diskutieren.
Dann wandten sich die Synodalen dem wohl wichtigsten Traktandum zu: der Reorganisation der ökumenischen Paarberatung. Gemäss Antrag des Kirchenrats sollen die regionalen Trägervereine der neun Beratungsstellen zusammengelegt, die Leistungen aber immer noch dezentral erbracht werden. Steuerung, Koordination und Finanzierung erfolgten hingegen zentral.
Auf den Januar 2016 soll deshalb mit der katholischen Kirche ein Verein samt einer Geschäftsstelle gegründet werden. Dafür ist ein jährlich wiederkehrenden Kredit von 800’000 Franken notwendig.
«Es ist leider fast alles falsch, was Sie sagen»
Der Synodale Jürg Schoch fragte: «Kann man solche Beträge einfach so bewilligen?» Er sei irritiert, weil das beispielsweise bei den Beiträgen an die evangelischen Schulen nicht möglich gewesen war. Der zuständige Kirchenrat Andrea Bianca versicherte, dass der Beitrag jährlich von der Synode neu bewilligt werde.
Allerdings wies der Synodale Lukas Maurer darauf hin, dass man als Mitglied des neuen Vereins rechtlich an die Ausgabe gebunden sei. Am Ende bewilligte die Synode die Anträge des Kirchenrats und damit auch die 800’000 Franken.
Schliesslich diskutierte man eine Motion, die die Synode mitbestimmen lassen wollte, wer sich mit welcher Ausbildung Pfarrer nennen darf. Jetzt entscheidet das Ausbildungskonkordat der Deutschschweizer Kantonalkirchen über die Kriterien (ohne Bern und Obwalden).
Kirchenratspräsident Michel Müller geriet dazu in Fahrt und wies den Motionär zurecht: «Es ist leider fast alles falsch, was Sie sagen.» Das Konkordat sei eine «grossartige Errungenschaft» und keine Behörde, sondern führe Aufträge aus, die man ihm delegiere. Ein anderer Synodaler meinte, eine Überweisung der Motion wäre ein Rückfall in die «ekklesiologische Steinzeit», es bestünde sogar die Gefahr, dass das Konkordat zerfalle. Die Synode lehnte die Motion deutlich ab. Unterdessen zeigten auch die Screens die richtige Traktandenliste an.