Frauen wählen häufiger den begleiteten Freitod als Männer. Alleinstehende und gut ausgebildete Menschen nehmen die Angebote von Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Dignitas überdurchschnittlich oft in Anspruch.
Suizidbeihilfe häufiger bei Frauen und gut Ausgebildeten
Frauen wählen häufiger den begleiteten Freitod als Männer. Alleinstehende und gut ausgebildete Menschen nehmen die Angebote von Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Dignitas überdurchschnittlich oft in Anspruch. Zu diesen Resultaten kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) veröffentlichte Studie. Nicht erhärtet habe sich die Theorie, dass Druck auf sozial Schwächere zu einer Ausweitung der Suizidbeihilfe führe, wie […]
Zu diesen Resultaten kommt eine vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) veröffentlichte Studie. Nicht erhärtet habe sich die Theorie, dass Druck auf sozial Schwächere zu einer Ausweitung der Suizidbeihilfe führe, wie der SNF am Mittwoch, 19. Februar, mitteilte.>
Die Studie basiere auf 1‘301 Fällen von Sterbehilfe in den Jahren 2003 bis 2008, welche die Sterbehilfeorganisationen Exit Deutsche Schweiz, Exit Suisse Romande und Dignitas in anonymisierter Form dem Bundesamt für Statistik übermittelt hätten, heisst es in der Mitteilung weiter. Diese Daten seien mit den Daten der Volkszählung aus dem Jahr 2000 verlinkt worden, was Rückschlüsse beispielsweise auf Wohnort oder Bildungsgrad ermöglichte, wie Matthias Egger, Professor am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern, am Mittwoch, 19. Februar, gegenüber der Presseagentur Kipa erklärte.
Verletzliche Bevölkerungsgruppen
Die Studie zeige, dass Frauen Suizidbeihilfe häufiger in Anspruch nehmen als Männer (740 gegenüber 561). Alleinstehende und Geschiedene liessen sich öfter in den Freitod begleiten als Verheiratete und sozial integrierte Personen, jüngere Menschen mit Kindern weniger oft als Kinderlose. «Die Resultate deuten darauf hin, dass es tatsächlich verletzliche Bevölkerungsgruppen geben könnte», so Egger in der Medienmitteilung.
Überdurchschnittlich gross sei die Anzahl Freitodbegleitungen bei «besser gebildeten Menschen, in urbanen Gebieten und in wohlhabenden Gegenden», heisst es in der Mitteilung weiter. Für Egger sprechen diese Befunde gegen die Theorie, «dass der Druck auf sozial Schwächere zu einer Ausweitung der Suizidbeihilfe führt.» Möglich sei aber auch, dass Gebildete und Wohlhabendere aus finanziellen Gründen einfacheren Zugang zur Suizidbeihilfe hätten.
Bei 1‘093 von den 1‘301 Fällen lagen den Forschern auch zusätzliche Krankheitsangaben zu den Personen vor. Diese waren fast zur Hälfte an Krebs erkrankt, andere litten an unheilbaren Nervenerkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson oder Amyotrophe Lateralsklerose.
Staat soll genau hinschauen
Bei rund 200 der 1.301 Fälle habe auf der Sterbeurkunde ein Hinweis darauf, an welcher tödlichen Krankheit die Person gelitten hatte, gefehlt. Die Forscher empfehlen daher die Erstellung eines Registers, in welchem dies von den Sterbehilfeorganisationen anonymisiert eingetragen würde. Im Falle eines begleitenden Freitods aufgrund einer psychischen Erkrankung hiesse dies beispielsweise, dass die psychische Erkrankung erwähnt würde nebst einem Dokument, das bestätigt, dass die Person im entsprechenden Moment entscheidungsfähig war, erklärte Egger gegenüber Kipa. «Sterbehilfeorganisationen operieren in einem Bereich, wo man nicht recht weiss, was genau geschieht», so Egger gegenüber Kipa. «Bei einem solch heiklen Thema sollte der Staat genau hinschauen.»