Studie zeichnet uneinheitliches Bild der Sozialdiakonie

Sozialdiakone sind in den reformierten Landeskirchen der Deutschschweiz zu sehr unterschiedlichen Bedingungen angestellt. Zu diesem Schluss kommt eine neue Erhebung. Eine Gemeinsamkeit gibt es aber dennoch: Sie verdienen meist deutlich weniger als die Pfarrer.


Die zentrale Erkenntnis überrascht für reformierte Verhältnisse kaum: «Jede Kantonalkirche ist ein Sonderfall», schreibt Diakonie Schweiz in einer neuen Erhebung zum Thema Sozialdiakonie. Jede deutschschweizer Kirche habe die entsprechenden Sachfragen eigenständig geregelt, die Situation des Diakonats sei daher sehr divergent.

Konkret heisst das: Die Sozialdiakoninnen sind in jeder der 17 befragten Kirchen unterschiedlich verortet. Während sie in einigen Kantonen (AG, FR, GR, SG, SH, TG) dem Pfarramt weitgehend gleichgestellt und ihre Arbeitsverhältnisse entsprechend geregelt sind, werden ihre Anstellungen andernorts (AI/AR, GL, NW, SZ, ZG) kaum reglementiert. Eine Art Mittelweg geht das abgestufte Modell (BEJUSO, BL, LU, SO, ZH), wo der Sozialdiakonie spezifische Rechte und Pflichten im Rahmen ihres kirchlichen Auftrags zugeordnet werden.

Finanziell nicht gleichgestellt

Auch die Entlöhnung wird unterschiedlich gehandhabt. So sei die Sozialdiakonie beispielsweise im Aargau dem Pfarramt rechtlich gleichgestellt; finanziell seien die Diakone aber vielmehr auf einer Stufe mit den nicht ordinierten Katecheten.

In den Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn wiederum würden der Sozialdiakonie eigenständige Aufgaben des Gemeindelebens übertragen, etwa im Gegensatz zur Kirchenmusik. Dennoch sei es für eine Kirchenmusikerin in gleicher Ausbildungsstufe möglich, deutlich mehr zu verdienen als eine Sozialdiakonin.

Kirchen haben ein Nachwuchsproblem

Einige Gemeinsamkeiten gibt es aber dennoch. So besteht in fast allen befragten Kantonalkirchen eine beachtliche Lohndifferenz zwischen dem Pfarramt und der Sozialdiakonie. Und: Die Sozialdiakonie in der Deutschschweiz hat ein Nachwuchsproblem. So seien rund 150 Personen, die in diesem Bereich tätig sind, älter als 56 Jahre. «In den kommenden zehn Jahren werden in der Deutschschweiz also pro Jahr rund 15 altersbedingte Neubesetzungen notwendig», schreibt Diakonie Schweiz.

Die Erkenntnis, dass dadurch ein Problem auf die Kirchen zukommen könnte, ist eine von sieben Thesen, die am Schluss der Studie stehen. Darin wird auch die Frage aufgeworfen, wie mit den Unterschieden zwischen den Kantonalkirchen umgegangen werden soll. Die Plenarversammlung wird dies am 27. Mai diskutieren.

Diakonie Schweiz ist die nationale Dachorganisation für Diakonie der reformierten Landeskirchen und eine Konferenz des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes SEK. Für die Erhebung zur Sozialdiakonie hat sie im Sommer 2018 17 deutschschweizer Landeskirchen befragt. (vbu)