Stopp von Ausschaffungen nach Afghanistan gefordert

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International (AI) fordert die Schweiz auf, keine Menschen mehr nach Afghanistan zurückzuschaffen. Es gäbe Beweise, dass die Gewalt in Afghanistan so verheerend sei wie nie zuvor.


«Geflüchtete Menschen werden Folter, Entführung, Tod und anderen Gräueltaten ausgesetzt», wird Anna Shea am 4. Oktober in einer Mitteilung zitiert. Sie recherchiert bei Amnesty International zum Thema Flüchtlings- und Migrationsrechte.

Die Organisation stützt sich auf einen eigenen Bericht mit Angaben von Afghaninnen und Afghanen, die aus Norwegen, den Niederlanden, Schweden und Deutschland in ihre Heimat zurückgeschafft wurden und dort bei Bombenangriffen getötet oder verletzt worden seien – oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Religion in ständiger Angst leben müssten.

Zwangsrückschaffungen rasant angestiegen

Weiter schreibt die Organisation, dass die Zahl der Zwangsrückschaffungen aus Europa seit jenem Zeitpunkt «rasant» angestiegen sei, als die Vereinten Nationen einen Höchststand an zivilen Opfern verzeichneten. Gemäss einer Statistik der Unterstützungsmission der Uno in Afghanistan (Unama) seien im Jahr 2016 11’418 Zivilisten getötet oder verletzt worden.

Die Anzahl der Afghanen, die aus Europa nach Afghanistan zurückgeschickt wurden, habe sich zwischen 2015 und 2016 fast verdreifacht – von 3290 auf 9460. Hierbei bezieht sich die Organisation auf offizielle EU-Statistiken.

Amnesty International räumt ein, dass die Schweiz in diesem Jahr bislang deutlich weniger Menschen nach Afghanistan zurückgeschickt hat als im Jahr 2016. Die Organisation fordert aber, die Ausschaffungen nach Afghanistan gänzlich zu stoppen. (sda)