In einem neuen Bericht dokumentiert Amnesty International die Angriffe von Islamisten auf Christen im August. Die Christen seien regelrecht «für Racheakte herausgepickt» worden. Von der ägyptischen Regierung fordert Amnesty eine unabhängige Aufklärung der Angriffe. Vor allem die Rolle der Sicherheitskräfte müsse thematisiert werden. Laut dem Bericht dauerte es oft Stunden, bevor Sicherheitsleute den Angegriffenen zu Hilfe kamen.
Nach der Räumung von Lagern der Anhänger des damaligen ägyptischen Staatspräsidenten Mohammed Mursi am 14. August kam eine Welle der Gewalt in Gang. Islamisten griffen laut dem Bericht in der Folge mehr als 200 christliche Gebäude und 43 Kirchen an. Mindestens vier Menschen seien dabei getötet, historische Reliquien entweiht worden.
Vergehen gegen Diskriminierung von Minderheiten
Der Bericht basiere auf Untersuchungen von Amnesty-Experten in Al-Minya, Fayoum und im Raum Kairo, wo die Angriffe besonders stark waren. Amnesty verlangt von der ägyptischen Regierung ein klares Vorgehen gegen die Diskriminierung religiöser Minderheiten. Gesetze, die einzelne Gruppen benachteiligten, müssten abgeschafft werden. Zudem müsse der Staat für die Schäden an Kirchen und christlichen Einrichtungen aufkommen. Das schliesse finanzielle Unterstützung für die Opfer und den Wiederaufbau zerstörter Kirchen ein.