Deutschland

SOS-Kinderdorf: Bericht deckt 226 Missbrauchsfälle auf

Eine unabhängige Kommission hat 226 Fälle von Übergriffen in SOS-Kinderdörfern in Deutschland aufgedeckt. Der Bericht zeigt körperliche, psychische und sexuelle Gewalt, die bis heute anhält. SOS-Kinderdorf verspricht umfassende Schutzmassnahmen.

Eine unabhängige Kommission hat Übergriffe in Einrichtungen von SOS-Kinderdorf Deutschland untersucht und 226 Fälle von Grenzüberschreitungen identifiziert. Die Fälle umfassen körperliche, psychische und sexuelle Gewalt, teils auch Vergewaltigungen. Der Bericht wurde in München vorgestellt.

Der Vorsitzende der Kommission, Klaus Schäfer, betonte, dass solche Übergriffe nicht nur in der Vergangenheit, sondern auch in der jüngeren Zeit stattfanden. Aufgrund der unzureichenden Aktenlage sei jedoch eine Dunkelziffer wahrscheinlich.

40 Prozent der Vorfälle ereigneten sich in Kinderdorffamilien und Wohngruppen. Rund die Hälfte der Übergriffe wurden von Mitarbeitenden verübt, 20 Prozent durch andere Jugendliche. Laut der Studie sei in früheren Jahren ein rigides Erziehungskonzept Ursache für die Gewalt gewesen, heute stünden Überforderung und Machtausübung im Vordergrund.

Sabina Schutter, Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf Deutschland, zeigte sich «zutiefst erschüttert» und bat die Betroffenen um Entschuldigung. Der Verein hat einen «Aktionsplan Kinderschutz» gestartet, der unter anderem die Einführung einer Kinderschutzfachkraft in jeder Einrichtung vorsieht.

Kommissionspräsident Schäfer betonte die Notwendigkeit, die Professionalisierung der Betreuung weiter auszubauen und die Aufarbeitung fortzusetzen. Er wies darauf hin, dass die Geschlossenheit von Kinderdorffamilien ein Risiko sei.

Den Betroffenen gehe es laut Schäfer vor allem darum, dass den Verantwortlichen bewusst wird, was passiert ist. Und dass solche Übergriffe in SOS-Kinderdörfern künftig verhindert würden. (epd/ dst)