Wie der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK in einer Mitteilung schreibt, besuchte im November eine SEK-Delegation die 23 Millionen Einwohner zählende Stadt Schanghai in China und traf dort Vertreter der evangelischen Kirchen in China. Dabei kam das Gespräch auch auf das im 2017 stattfindenden Reformationsjubiläum der evangelischen Kirchen in Europa. Der SEK möchte sich deshalb bei der Evangelischen Kirche in Deutschland für den Vorschlag einer chinesischen Präsenz in der Lutherstadt Wittenberg stark machen.
Rasant wachsende Kirche
Weiter stand die Erneuerung des «Memorandum of Understanding» im Zentrum der Gespräche. Dieses besteht seit 2005 und hat das Ziel, die Zusammenarbeit im Bereich der Ausbildung, insbesondere der postdoktoralen theologischen Ausbildung, zu stärken. Dadurch würden sich die chinesischen Kirchenleiter «ein modernes und der Ökumene gegenüber offenes theologisches Rüstzeug aneignen», schreibt der SEK. Allerdings erschwere das rasante Wachstum der chinesischen Kirche, den eingeschlagenen Kurs zu halten und innerhalb der Gemeinden ein Gefühl der Einheit und der Zusammengehörigkeit zu schaffen. Die chinesischen Kirchen würden sich selbst als «Kirche im Entstehen» bezeichnen, wobei die in Europa gängigen Konfessionsbezeichnungen nicht deckungsgleich mit jenen in China seien.
Der Protestantismus entwickelt sich in China sehr schnell, der Begriff «Reformation» werde dort aber oft mit wirtschaftlichem Erfolg verwechselt. Die Frage der Einheit stelle sich allerdings in China wie auch in Europa, «und zwar innerhalb des Protestantismus wie auch innerhalb des Christentums.»