Schweizer sparen beim Tod

Ob bei der Bestattungsform, bei den Blumen oder beim Leidmahl. Die Schweizer sind beim Tod sparsamer geworden. Oft wollen auch die Verstorbenen selbst «nicht zur Last fallen».


Die Bestattungen in der Schweiz sind einfacher geworden. «Möglichst schnell und kostengünstig wollen heute viele den Tod abhandeln», schreibt die NZZ am Sonntag in einem Beitrag vom 15. Oktober.  So wollen immer mehr Menschen in einem Gemeinschaftsgrab statt in einem Reihen- oder Familiengrab beigesetzt werden. «In der Stadt Zürich liegt der Anteil bei 38 Prozent, 1980 waren es erst sechs. Auch in der Stadt Luzern hat sich die Zahl innert 20 Jahren verdreifacht. Selbst im ländlichen Giswil wurde in den letzten zehn Jahren fast jeder zweite Tote auf diese Weise beigesetzt», schreibt die NZZaS.

Doch nicht nur bei der Wahl des Grabes hat sich in den vergangenen Jahren einiges verändert. Früher wurde der Leichnam aufgebahrt und danach im Sarg in die Erde gelassen. Heute sei es in 85 Prozent der Fälle die Asche, die beigesetzt oder verstreut wird. Dafür brauche es keinen Eichensarg, ein schlichtes Modell aus Pappelholz-Multiplexplatten reicht – und der wird vom Staat bezahlt.

Weniger Blumen, sparen beim Leidmahl

Auch bei den Blumen werde laut NZZaS gespart. So sagt beispielsweise Paul Fleischli, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Floristenverbandes, dass bei Trauerzeremonien immer weniger Blumen zu sehen seien. «Am Grab finden sich wenig Kränze oder ein Urnengesteck, sofern überhaupt auf dem Friedhof bestattet wird.»

Immer einfacher soll auch das Leidmahl sein. Diese Erfahrung mache Annette Rieder tagtäglich. Sie führt das Restaurant Hörnli neben dem gleichnamigen Friedhof in Riehen in Basel-Stadt, dem grössten der Schweiz. Ihr Vater habe hier vor 30 Jahren noch 50 bis 60 Personen pro Beerdigung bewirtet. Annette Rieder bediene heute im Schnitt 10 bis 15 Trauergäste. Statt eines Mittagessens oder einer kalten Platte würden diese belegte Brote bestellen.

Doch nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Verstorbenen wollen den Aufwand möglichst klein halten. «Ich will niemandem zur Last fallen», höre die Theologin Tatjana Disteli oft. Sie ist die Leiterin der Dienststelle Spital- und Klinikseelsorge der katholischen Kirche. Es gebe aber auch Menschen, die ein Gemeinschaftsgrab bewusst wählen, um nach dem Tod im Kollektiv aufgehen zu können. (bat)