EKS-Synode

Schweiz soll afghanische Flüchtlinge aufnehmen

Die Synodalen fordern ein stärkeres Zeichen für afghanische Flüchtlinge als der Rat der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz. Sie überweisen eine entsprechende Resolution.

Soll die Schweiz auch Flüchtlinge aus Afghanistan aufnehmen? Darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Aufnahme zeigt eine Afghanin in einem Lager des Roten Kreuzes in Italien. (Bild: Keystone/ Cecilia Fabiano)

An einer zweitägigen ausserordentlichen Synode hat die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz (EKS) ausführlich über die Notlage in Afghanistan gesprochen. Bereits am Sonntag hat der EKS-Rat bekannt gegeben, dass er dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) eine Spende in der Höhe von 10'000 Franken überweist und dem Bundesrat einen Brief geschrieben hat (ref.ch berichtete).

Am Montag nun haben die Synodalen eine Resolution überwiesen. Der Vorstoss war von Dominik von Allmen, einem Synodalen der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, eingereicht worden. Darin wird gefordert, Asylsuchenden aus Afghanistan in der Schweiz eine vorläufige Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen. Zudem solle der Familiennachzug erleichtert und ein «substanzielles Kontingent» an afghanischen Flüchtlingen in die Schweiz aufgenommen werden.

Heks stützen

Unterstützt wurde die Resolution von der Bündner Kirchenrätin und Synodalen Barbara Hirsbrunner. Die Resolution diene dazu, die Öffentlichkeit auf das Problem aufmerksam zu machen. «Wir haben eine politische Verantwortung. Das Christentum verpflichtet uns, uns als Kirche zu positionieren und Menschen in Not zu helfen», betonte sie.

Dieser Argumentation folgte die Zürcher Kirchenrätin und Synodale Esther Straub. Sie hatte die Resolution in Absprache mit von Allmen vorbereitet. Die Machtübernahme der Taliban stelle eine Gefahr dar, die Bevölkerung sei verzweifelt. Sie plädierte für eine Stärkung der Stellungnahme des Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks). Dieses hatte gefordert, die Schweiz solle Flüchtlinge aufnehmen.

«Ein Familiennachzug ist keine Maximalforderung, sondern ein einfaches Mittel, Schutz zu gewähren. Schweigen ist keine Option», sagte Straub. «Die Kirche muss ihre Stimme erheben und an die Verantwortung der Politiker appellieren, das Möglichste zu unternehmen», ergänzte Straub im Gespräch. Die Resolution sei ein wichtiges Zeichen gegenüber der Öffentlichkeit.

Berner Christoph Knoch erfreut

Straub und die Synodalen forderten damit ein stärkeres Zeichen als dies der EKS-Rat gesetzt hätte. Dieser hatte am Sonntag betont, manchmal müsse Schweigen ausgehalten werden. Ein Familiennachzug verfehle das Ziel und sei eine «Maximalforderung», hielt EKS-Präsidentin Rita Famos am Montag fest.

Die Synodalen jedoch folgten den Voten aus der Synode und überwiesen von Allmens Resolution schliesslich mit klarer Mehrheit von 53 Ja- zu 11 Nein-Stimmen bei 5 Enthaltungen. Nötig gewesen war ein Zweidrittels-Mehr, das bei 44 Ja-Stimmen lag.

Erfreut über die Überweisung zeigte sich nicht zuletzt Christoph Knoch. «Ich bin froh, bleiben wir eine Kirche, die sich für Fremde, Witwen und Waise engagiert.» Knoch gehörte mit zu jenen Pfarrpersonen, die sich im Vorfeld der Synode irritiert darüber zeigten, dass die EKS keine Stellungnahme abgegeben hatte.