Scharfe Kritik am «Genderismus» des Churer Bischofs

Die Interessengruppe (IG) für eine vernünftige Sexualkunde und der Schweizerische Katholische Frauenbund kritisieren die Aussagen des Churer Bischofs Vitus Huonder zum Thema Sexualität und Genderismus scharf.


Die IG schreibt, dass das Diskriminierungsverbot von hetero-, bi- und homosexuellen Menschen sowie Transmenschen ein Teil der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sei. Die Gleichstellung dieser Menschen entspringe nicht der Genderwissenschaft, wie dies Huonder dargestellt habe. Es sei äusserst bedenklich, dass ein Kirchenmann am Tag der Menschenrechte einen diskriminierenden Brief verbreite, so die IG, die ihren Angaben zufolge Mitglieder aus praktisch allen Parteien in ihren Reihen hat.

Aus Sicht der IG sollen Kinder und Jugendliche Hetero-, Bi- und Homosexualität als gleichwertige Lebensformen akzeptieren. Aufgrund der homophoben Sprüche, Beleidigungen, Diskriminierungen und Mobbing seien Suizidversuche bei jungen Schwulen bis zu fünf Mal so häufig als bei heterosexuellen Jugendlichen, schreibt die Interessengruppe.

Katholische Frauen: «Besonders stossend»
Gemäss des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds (SKF) zeichne Huonder einen «verzerrten Genderbegriff»: Es sei «besonders stossend», wenn der Bischof ausgerechnet zum Tag der Menschenrechte ein Papier veröffentliche, «welches sich nicht nur gegen die Rechte der Frauen richtet, sondern auch Homosexuelle diffamiert», wie der SKF am 10. Dezember schreibt.

Auch Rolf Trechsel, Vorstandsmitglied der Schwulenorganisation Pink Cross, bezeichnete den Brief als «billige Polemik» und «tiefes Stammtischniveau».

Der Churer Bischof hatte in seinem Text zum Tag der Menschenrechte geschrieben, der Genderismus leugne die «Vorgabe der Natur». «Der Mensch existiert, so die Schöpfungsordnung, als Mann oder Frau», meint der Kirchenmann. Über die Vorgabe des Schöpfers dürfe der Mensch nicht verfügen.

Bei Huonders Ansichten zum so genannten Genderismus handelt es sich nicht um einen Hirtenbrief, den Priester verlesen müssen. Huonder verbreitete seine Gendanken unter dem Titel «Gender – die Tiefe Unwahrheit einer Theorie» als «Wort des Bischofs» vorab zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember.