Sans-Papiers-Stelle Luzern kritisiert Kanton für Umgang mit Flüchtlingen

Ein Afghane, dessen Asylgesuch abgelehnt wurde, soll von Luzerner Behörden unter Druck gesetzt worden sein. Die Sans-Papiers-Stelle beklagt eine härtere Gangart des Kantons, dieser spricht von konsequenter Praxis.


Mitarbeiter hätten ihm Bilder von gefesselten Personen gezeigt, deren Kopf mit einem Tuch bedeckt war, und gesagt: «So wirst auch du ausgeschafft». Das berichtet ein 20-jähriger Afghane in der Luzerner Zeitung. Aufgrund des psychischen Drucks leide er nun unter Schlafstörungen. Zudem habe man ihm immer wieder gesagt, dass er nicht hierhin gehöre und sowieso ausgeschafft werde, so berichtet eine freiwillige Helferin. Das habe den traumatisierten Mann noch zusätzlich zermürbt, sie spricht deshalb von «Systematischer Schikanierung».

«Härtere Gangart» und «kein Augenmass»

Solche Drohgebärden seien unmenschlich und inakzeptabel, sagt Barbara Hosch, die Co-Stellenleiterin der Kontakt- und Beratungsstelle Sans-Papiers gegenüber der Luzerner Zeitung. Sie findet, dass die Gangart des Amts für Migration in den vergangenen Jahren härter geworden sei. Zudem vermisse sie ein gewisses Augenmass im Umgang mit Einzelfällen.

Erst seit diesem Frühjahr werden Flüchtlinge wieder nach Afghanistan rückgeführt. Die Beratungsstelle Sans-Papiers Luzern, die auch von den Kirchen getragen wird, verurteilt dies, da das Land als höchst unsicher gilt.

Aufklärung mit drastischen Bildern

Das kantonale Amt für Migration relativierte die Ereignisse gegenüber der Luzerner Zeitung. Jede Person, deren Asylgesuch abgelehnt worden ist, werde über alle möglichen Folgen des illegalen Aufenthalts in der Schweiz aufgeklärt, wie zum Beispiel die Rückführung ins Heimatland. Dabei werde auch aufgezeigt, wie eine unfreiwillige Rückführung aussehe, eben zum Beispiel mit Bildern einer gefesselten Person. Das Amt für Migration setze einfach das Bundesrecht konsequent um. (mos)