Salzwasser und Hostien: Wie Nigeria die Ebola-Seuche bekämpft

Nigeria ist das vierte Land, auf das die Ebola-Epidemie übergegriffen hat. Die Behörden versuchen, das Virus einzudämmen - auch die katholische Kirche hilft mit. Aber viele Menschen vertrauen lieber Wundermitteln wie heissem Salzwasser.

Lagos, die Millionen-Metropole Nigerias.
Lagos, die Millionen-Metropole Nigerias. Im Bild Lagos Island. (Bild: Wikimedia/Benji Robertson)

Das Ebola-Virus hat das bevölkerungsreichste Land Afrikas erreicht: Nigeria. Erschreckend ist, dass ein einziger infizierter Patient ausgereicht hat, um innerhalb kurzer Zeit mindestens neun weitere Menschen anzustecken – und eine ganze Nation in Angst zu versetzen.

Fast 170 Millionen Menschen leben in dem Land, das eine der höchsten Bevölkerungsdichten des Kontinents aufweist. Um eine tödliche Epidemie zu bekämpfen, die sich durch Körperflüssigkeiten wie Schweiss, Blut oder Speichel überträgt, sind das ungünstige Voraussetzungen.

Kirche reagiert schnell – Behörden warten zu

Die katholische Kirche hat immerhin schnell reagiert: Auf Weisung des Kardinals John Onaiyekan wird das Händeschütteln während des Gottesdienstes als Friedensgruss zunächst abgeschafft.

«Manche Leute schwitzen sehr, und da das eine der Arten ist, über die das Virus übertragen wird, halten wir es für besser, erstmal keine Hände mehr anzufassen», zitierte die Zeitung «Vanguard» den Pfarrer Moses Jimbili. Zudem soll beim Abendmahl die Hostie nicht mehr direkt in den Mund der Gläubigen, sondern auf die Handfläche gelegt werden.

Die Behörden schienen hingegen kaum vorbereitet, als am 20. Juli ein liberianischer Regierungsbeamter bei der Einreise am Flughafen der Mega-Metropole Lagos mit Ebola-Symptomen zusammenbrach. Er wurde auf eine Quarantänestation gebracht, wo er kurz darauf starb.

Unter den Menschen, die der Liberianer angesteckt haben könnte, sind nicht nur Passagiere des Flugzeugs, sondern auch Gesundheitsarbeiter, die ihn behandelt hatten. 139 Menschen, die Kontakt mit dem Mann hatten, werden derzeit nach Behördenangaben noch überwacht.

Bisher hatte sich die Seuche zwischen Guinea, Liberia und Sierra Leone vor allem im Grenzgebiet über Land ausgebreitet. Nigeria liegt aber weit entfernt – wohl deshalb witterte die Regierung lange kaum Gefahr.

Die Elfenbeinküste, Ghana, Togo und Benin trennen das westafrikanische Epidemiegebiet und das Land, das normalerweise eher durch den blutigen Terror der Islamistengruppe Boko Haram von sich Reden macht. Mittlerweile hat das Virus die Extremistengewalt fast gänzlich von den Titelseiten der Zeitungen verdrängt.

Was Nigeria mit den anderen betroffenen Ländern gemeinsam hat, ist vor allem der Glaube an traditionelle Heiler, Wunderkuren und Zaubermittel. Den Ärzten und Pflegern in ihren futuristischen Schutzanzügen stehen die Bürger vielerorts skeptisch gegenüber. Das macht den Kampf gegen die Seuche noch schwerer.

Auch aus Liberia melden Augenzeugen, dass sich beispielweise heisses Salzwasser zur Ebola-Bekämpfung grosser Beliebtheit erfreut. «Leute, bitte glaubt diese Gerüchte nicht und erzählt sie nicht weiter, weil ihr sonst dabei helft, Lügen zu verbreiten», warnte der katholische Pfarrer Ambrose Kroma.

Als wohl grösstes Problem könnte sich aber ein Ärzte-Streik erweisen, der das Gesundheitssystem schon seit fünf Wochen weitgehend lahmlegt. Das medizinische Personal fordert bessere Arbeitsbedingungen. Aber auch wenn der Ausstand beendet werde, seien viele nicht bereit, mit Ebola-Patienten in Kontakt zu kommen, so die Behörden.

Einer der Hauptgründe ist, dass es in Nigeria keine gesetzliche Lebensversicherung für Spitalpersonal gibt. «Jeder Gesundheitsarbeiter, der mit einem Ebola-Kranken zu tun hat, riskiert sein Leben – und das seiner Familie», teilte die Ärztevereinigung NMA zuletzt mit.