Der Schweizerische Rat der Religionen (SCR), der sich laut Website für den Erhalt des religiösen Friedens in der Schweiz einsetzen will, hat das Thema «Burkaverbot» an seiner gestrigen Sitzung diskutiert, wie Recherchen von kath.ch zeigen. «Die Sitzungen des SCR sind nicht öffentlich. Über Inhalt und Zeitpunkt von Kommunikationen zu verschiedenen Themen entscheidet der Rat», teilte Abel Manoukian, Sekretär des SCR, auf Anfrage mit. Eine Medienmitteilung sei zurzeit nicht vorgesehen. Auch SCR-Vorsitzender Gottfried Locher wollte zum Inhalt der Sitzung nicht Stellung nehmen.
Uneinigkeit
Grund für die ausbleibende Stellungnahme dürfte die Uneinigkeit der Ratsmitglieder in dieser Frage sein. Locher hatte sich diese Woche in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger klar für ein Verhüllungsverbot ausgesprochen. Er stellte dabei jedoch klar, dass er diese Aussage lediglich als Ratspräsident des Kirchenbundes mache.
Die beiden SCR-Mitglieder Farhad Afshar, Präsident der Koordination Islamischer Organisationen Schweiz, und Herbert Winter, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes, hatten sich diese Woche in derselben Zeitung gegen ein generelles Burkaverbot ausgesprochen.
Bischöfe diskutieren kommende Woche
Ein weiterer Grund für die noch ausstehende Stellungnahme des SCR dürfte sein, dass einzelne Mitgliedergremien das Thema noch nicht diskutiert haben. So will etwa die Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz, die von Montassar BenMrad präsidiert wird, das Thema erst an ihrer Sitzung im September behandeln.
Gleiches gilt für die Schweizerische Bischofskonferenz, die mit ihrem Präsidenten Charles Morerod im SCR vertreten ist. Sie hat das Thema für ihre Vollversammlung, die vom 5. bis 7. September stattfindet, traktandiert.
Langsame Reaktionen
In einem früheren Interview hatte SCR-Präsident Locher bedauert, dass der Rat der Religionen oft nicht schnell genug reagiere. «Das ist eines der Themen, die ich in Angriff nehmen möchte», sagt Locher. Gleichzeitig sprach er vom SCR als einer geschützten Plattform: «Es muss möglich sein, dass Themen dort kontrovers diskutiert werden, ohne dass sie gleich öffentlich werden.» (Sylvia Stam/kath.ch)