Pfarrerinnen protestieren gegen ihre Benachteiligung

Unter dem Motto «Hier stehen wir» wollen Pastorinnen in der Lutherstadt Wittenberg eine Zeichen gegen die Benachteiligung von Frauen in der Kirche setzen. Zugleich erinnern sie daran, dass die Reformation auch von Frauen getragen wurde.


Mehr als 120 Pfarrerinnen und Pastorinnen im Talar wollen bei den Reformationsfeierlichkeiten in Wittenberg ein Zeichen für mehr Gleichberechtigung setzen. Unter dem Motto «Hier stehen wir» wollen sie deutlich machen, dass die Verbreitung der Reformation nicht allein von Martin Luther ausging, wie die Gleichstellungsbeauftragte der hannoverschen Landeskirche, Hella Mahler, erläuterte: «Auch Frauen haben für die Reformation gekämpft.» Unter ihnen seien etwa Nonnen, die zu Luthers Zeiten gewagt hätten, aus dem Kloster auszubrechen. Dazu zählte auch die spätere Ehefrau des Reformators, Katharina von Bora.

Frauen nach wie vor unterrepräsentiert

Mahler gehört zu den Initiatorinnen eines «Frauenfesttages», zu dem auf Einladung der «Evangelischen Frauen in Mitteldeutschland» Teilnehmerinnen aus vielen Ländern am 12. August in Wittenberg erwartet werden. Dabei wollen sich Pastorinnen aus Deutschland ebenso wie aus Kamerun, Indonesien, Lettland und Norwegen auf dem Schlossplatz in ihren Talaren zum symbolträchtigen Fototermin versammeln. Unter ihnen seien 17 Bischöfinnen und Frauen aus leitenden Positionen, sagte die Pastorin. Noch immer seien Frauen in den Kirchen vielfach benachteiligt. Nicht in allen Kirchen würden sie zu Pastorinnen ordiniert. Zudem seien sie nach wie vor in Führungspositionen unterrepräsentiert.

Traditionelle Rollenbilder

In der hannoverschen Landeskirche studieren Mahler zufolge zwar immer mehr Frauen Theologie, im Vikariat sind bereits mehr Frauen als Männer. Unter den leitenden Superintendenten stellen sie in der grössten evangelischen Landeskirche in Deutschland aber weniger als ein Drittel. Auch im Bischofsamt finden sich deutschlandweit die Frauen in der Minderheit. «Das liegt vor allem an den verankerten Rollenbildern», erläuterte sie. «Frauen sehen sich nach wie vor mehr in der Familienverantwortung und überlegen gut, ob sich das mit einem Leitungsamt vereinbaren lässt.» Dies werde sich auch so schnell nicht verändern, wenn immer mehr junge Theologinnen ins Amt kommen.

Frauenordination fördern

In den Gemeinden hätten zudem etwa alleinerziehende Pastorinnen oft einen schlechten Stand. Zu sehr herrsche noch das von Luther geprägte Bild der Pastorenfamilie im Pfarrhaus vor. «Das Pfarrerbild muss ebenso wie das Verständnis von Leitungsämtern vielfältiger werden», forderte Mahler. Dies würde die geänderten gesellschaftlichen Verhältnisse widerspiegeln. «Darin liegt auch eine Chance dafür, dass sich manche Menschen der Kirche wieder zuwenden.»

Auch gegen die Einschränkungen bei der Ordination von Frauen ins Pfarramt in manchen Kirchen wenden sich die Pastorinnen. Zu ihrer Veranstaltung erwarten sie die Bischöfin der anglikanischen Kirche im lettischen Riga, Jana Jeruma-Grinberg. In Lettland hatten sich Theologinnen nach dem Verbot der Frauenordination in der lutherischen Kirche im Land im vergangenen Jahr der lettischen Auslandskirche angeschlossen. Von der Foto-Aktion in Wittenberg sollen noch am selben Tag Postkarten gedruckt werden, sagte Mahler. «Sie können dann als Signal der Solidarität in die Welt geschickt werden.» (epd)