Papstwahl

Experte rechnet mit neuem Papst bis Freitag

Im grössten Konklave der Geschichte hätten die Kardinäle etliche Probleme zu lösen, sagt der Kirchenhistoriker Hubert Wolf. Zu Papst Franziskus hat er eine klare Haltung.

Am Mittwoch beginnt im Vatikan das Konklave, an dem über siebzig Kardinäle aus der ganzen Welt ein neues Oberhaupt der katholischen Kirche wählen. In einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung spricht der Konklave-Experte und Kirchenhistoriker Hubert Wolf über die Ausgangslage.

Papst Franziskus hat viele Kardinäle ernannt, die teilweise von weit her nach Rom reisten. «Viele Kardinäle kennen sich nicht», sagt Wolf. Deshalb erwartet er, dass es mehr Wahlgänge brauchen wird als bei den Vorgängern Benedikt (4) und Franziskus (5). Er rechnet mit neun Durchgängen und einem neuen Papst am Freitag.

Überraschungen wie ein Papst aus Asien oder Amerika hält Wolf für unwahrscheinlich. Der Vatikan stecke in finanziellen Nöten, die Gehälter der Angestellten könnten nicht mehr bezahlt werden. Deshalb sagt der Historiker: «Jetzt ist jemand gesucht, der diese Situation in den Griff bekommt.» Jemand mit Verwaltungserfahrung, der den Vatikan gut kennt und dafür sorgt, «dass der Laden nicht auseinanderfällt».

Über den verstorbenen Franziskus sagt Wolf, er habe einen Wirbel veranstaltet, sei kein Reformpapst gewesen und habe keine Macht abgegeben. Noch immer gebe es keine verheirateten Priester, keine Synodalität und Frauen würden nicht zu Diakoninnen geweiht.

An den neuen Papst hat der Kirchenhistoriker einige Erwartungen. Er sei mit seiner «ungeheuren moralischen Autorität» ein Anker in einer Welt, die auseinanderfalle. Um diese Rolle auszufüllen, müsse er die katholische Kirche wieder zu mehr Glaubwürdigkeit führen. Dazu gehört Wolfs Meinung nach, «eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit» zu ermöglichen. Demnach könnten etwa in der Schweiz Priester heiraten und Frauen geweihte Diakoninnen sein, während in patriarchalischer geprägten Kulturen das noch nicht möglich wäre. (dst)

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