Volk entscheidet über Organspende
Das Referendum gegen die Revision des Transplantationsgesetzes ist zustande gekommen. Ein überparteiliches Nein-Komitee hat mehr als 64'000 Unterschriften gesammelt, nötig sind mindestens 50'000 Unterschriften. Die Vorlage kommt aller Voraussicht nach am 15. Mai 2022 an die Urne.
Kirchen zählen zu Kritikern
Die geplante sogenannte Widerspruchslösung sei ein «Systemwechsel», den es zu verhindern gelte, heisst es in einer Mitteilung des Komitees vom 20. Januar. Erstens sei nicht belegt, dass die Zahl der Organspenderinnen zunehme, wenn Verstorbene künftig quasi automatisch zu Organspendern würden.
Zweitens verletze die geplante Neuregelung das Recht auf Unversehrtheit des eigenen Körpers «fundamental». Medizinische Eingriffe in den menschlichen Körper dürften nur erfolgen, wenn zuvor adäquat über mögliche Konsequenzen aufgeklärt worden sei, heisst es im Communiqué des Komitees sinngemäss.
Kritik zur geplanten Neuregelung kam nicht zuletzt von Fachleuten, darunter reformierte Spitalseelsorgerinnen. Sie argumentierten, die geplante Änderung sei unausgereift und ethisch fragwürdig (ref.ch berichtete). Auch die Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz sprach sich in der Vergangenheit gegen eine automatische Organ-Weitergabe aus. Sicher ist, die Vorlage dürfte gerade auch in kirchlichen Kreisen noch zu reden geben.
Angehörige gefordert
Gegenwärtig gilt in der Schweiz, dass Organe einer im Spital verstorbenen Person nur entnommen werden dürfen, wenn die Verstorbene der Spende zu Lebzeiten zugestimmt hat («Zustimmungslösung»). Liegt keine Willensäusserung vor, müssen die Angehörigen entscheiden.
Neu soll jede und jeder automatisch Organspenderin oder Organspender werden. Wer dies nicht möchte, müsste das Nein vor dem Tod explizit festhalten oder Angehörige müssten eine Ablehnung glaubhaft begründen. Das sieht die sogenannte «erweiterte Widerspruchslösung» vor, für die das Parlament grünes Licht gegeben hatte. Der Nationalrat hatte die geplante Gesetzesrevision im Mai mit 150 Ja- zu 34 Nein-Stimmen befürwortet, der Ständerat folgte im September 2021 mit 31:12 Stimmen.