St. Gallen

Offene Kirche wird abgerissen

Nun ist es definitiv: Das Gebäude, in dem die Offene Kirche St. Gallen untergebracht ist, muss dem neuen Uni-Campus weichen. Die Betreiber des ökumenischen Projektes sehen darin aber auch eine Chance.

Vielen St. Gallerinnen dürfte das Gebäude an der Böcklinstrasse 2 wegen des Graffiti an seiner Fassade aufgefallen sein: Das Gesicht einer brasilianischen Frau, das die gesamte Höhe einnimmt und in der Vergangenheit kontroverse Diskussionen ausgelöst hat. Dieses Bild wird nun verschwinden – zusammen mit der ganzen Liegenschaft. Auf dem Areal soll ein neuer HSG-Campus entstehen, und im Siegerprojekt des entsprechenden Architekturwettbewerbs ist der Erhalt des Baus nicht vorgesehen.

Beim Verein Wirkraum Kirche, der an der Böcklinstrasse die Offene Kirche betreibt, nimmt man den Entscheid mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis. «Einerseits hätten wir uns gewünscht, dass das Gebäude erhalten bleibt», sagt Intendant Theodor Pindl gegenüber ref.ch. «Es ist ein historischer Ort, der eine Brücke schlägt zur Gesellschaft und eine Verbindung von Altem und Neuem schafft.» Andererseits sei schon vor dem Architekturwettbewerb klar gewesen, dass die Offene Kirche würde umziehen müssen. Zwar habe es Entwürfe gegeben, die das Gebäude integriert hätten, sagt Pindl. Umgenutzt worden wäre es aber auf jeden Fall.

Offene Kirche als «spiritueller Hotspot»?

Pindl sieht in einem Wegzug denn auch eine Chance für einen Neuanfang. Der Verein Wirkraum Kirche sei im Gespräch mit der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Centrum wegen einer möglichen Nutzung der Kirche St. Mangen. Für Pindl ein idealer Standort: Durch den geplanten Campus werde die Altstadt erweitert, die Studenten würden neues Leben in die Gegend bringen. «Mit St. Mangen hätte die Offene Kirche die Möglichkeit, sich zu einer Art spirituellen Hotspot am Rande der Altstadt zu entwickeln.»

Noch ist der neue Standort aber nicht definitiv. Die Gespräche liefen noch, sagt Pindl. Klar ist lediglich: Spätestens 2025 fahren an der Böcklinstrasse die Bagger auf. (vbu)