Ökumenischer Filmpreis für Mutter-Sohn-Drama

Der deutsche Film «Lara» zeigt auf beklemmende Weise die Entfremdung einer Mutter von ihrem Sohn. Dafür wurde er am Filmfestival in Karlsbad mit dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.


Lara Jenkin feiert ihren 60. Geburtstag. Exakt an diesem Tag gibt ihr Sohn Viktor sein erstes grosses Solokonzert als Pianist. Eingeladen ist Lara aber nicht. Jahrelang hat sie Viktor damit gequält, das zu erreichen, was ihr selber verwehrt blieb: Erfolg am Klavier. Darüber ist das Mutter-Sohn-Verhältnis scheinbar endgültig zerbrochen.

«Lara» ist das Psychogramm einer Frau, die ihre eigenen Träume aufgegeben hat. (Bild: Studiocanal)

Am 54. Internationalen Filmfestival in Karlsbad hat der zweite Spielfilm des deutschen Regisseurs Jan-Ole Gerster den Preis der Ökumenischen Jury erhalten. Lara sei ein «gut gespielter und intelligent inszenierter Film über die psychische Demütigung einer depressiven Mutter durch ihren Sohn», begründet die Jury ihren Entscheid vom 6. Juli. Die Jury wird von den kirchlichen Filmorganisationen Interfilm und Signis getragen.

Braune Umtriebe in der Provinz

Eine Lobende Erwähnung vergab die Jury an die slowakisch-tschechische Koproduktion Let There Be Light. Der Film schildert die Geschichte eines Familienvaters, der nach einem langen Arbeitsaufenthalt in Deutschland in sein Heimatdorf in der Slowakei zurückkehrt.

Dort muss er entsetzt feststellen, dass seine beiden Söhne von einer paramilitärisch-nationalistischen Gruppe umgarnt werden. Einer der Köpfe der braunen Vereinigung ist ein katholischer Priester. Let There Be Light zwinge den Betrachter auf fesselnde Weise, «moralische Verantwortlichkeiten in einem Kontext komplexer Verstrickungen von Gewalt zu hinterfragen», schreibt die Jury.

Das 54. Internationale Filmfestival von Karlsbad fand vom 28. Juni bis 6. Juli statt. Der Hauptpreis des Festivals, die Kristallkugel, ging an Bashtata von Kristina Grozeva und Petar Valchanov aus Bulgarien. Die Jury der Internationalen Vereinigung der Filmkritiker entschied sich für den spanischen Film La virgen de agosto als Preisträger. (no)