Nicht mehr getrennt glauben

Mit einem ökumenischen Gottesdienst haben die evangelische und die katholische Kirche in Deutschland ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Das Reformationsgedenken solle die Kirchen zusammenführen, betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

In der paritätischen Kirche St. Michaelis in Hildesheim feierten deutsche Protestanten und Katholiken ihren gemeinsamen Glauben. (Bild: Wikimedia)

Was in dem gemeinsamen Buss- und Versöhnungsgottesdienst in Hildesheim geschah, drückte Bundespräsident Joachim Gauck am emotionalsten aus – und wich dabei von seinem Manuskript ab: Zu den vielen politischen Wundern, die er erlebt habe, sei nun ein «geistliches Wunder hinzugekommen», sagte der Theologe nach dem Gottesdienst, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) teilnahmen.

«Die Christen in unserem Land bekommt man nicht mehr auseinander», sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, in der Predigt. Das Kreuz und Christus brächten die Christen zusammen, ergänzte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Die höchsten Vertreter der beiden grossen Kirchen in Deutschland erhielten für ihre Predigt in der Hildesheimer Michaeliskirche, die sie im Dialog hielten, Applaus. «Wir wollen in Zukunft nicht mehr getrennt glauben, wir wollen gemeinsam glauben», sagte Bedford-Strohm.

Die Einheit sichtbar machen

Das Reformationsgedenken solle die Kirchen zusammenführen, betonte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. Das täten die Christen «nicht anklagend oder niedergedrückt, sondern in einer Haltung der Hoffnung und des neuen Aufbruchs», sagte der Münchner Erzbischof Marx. «Wir verpflichten uns», den konfessionsverbindenden Ehen «alle Hilfestellungen zu leisten, die ihren gemeinsamen Glauben stärken» und auch «weitere Schritte auf dem Weg zur sichtbaren Einheit der Kirchen gehen», bekräftigten sie.

Sichtbar wurde das vor der Predigt: Jugendliche richteten ein dreidimensionales Kreuz auf, das zuvor wie eine Panzersperre im Altarraum gelegen hatte. «Es gibt Wege, die Trennungen zu überwinden», sagte Bedford-Strohm. Aus dem gemeinsamen Glauben sollen Taten folgen. «Wir wollen ausstrahlen, wovon wir sprechen», betonte der EKD-Ratsvorsitzende.

Doch auch die noch bestehende Trennung wurde im Gottesdienst deutlich: Es gab kein Abendmahl. «Noch immer haben wir keinen Weg gefunden, im eucharistischen Abendmahl unsere Gemeinschaft mit Christus und untereinander zu feiern», beklagte Marx. (epd)