«Moscheen sollen Finanzen transparent machen»

Der Zürcher Dachverband der Islamischen Organisationen (VIOZ) hat den An’Nur-Verein nach der Razzia letzte Woche in der Winterthurer Moschee suspendiert. VIOZ-Präsident Mahmoud El Guindi erklärt warum.

Mahmoud El Guindi. (Bild: zVg)

Ihr Verband VIOZ steht in der Kritik, nicht rasch genug reagiert zu haben.
Mahmoud El Guindi: Wir sind genauso erschüttert wie viele Menschen in der Schweiz, dass ein Imam in einer Moschee zu Gewalt aufruft. Deshalb haben wir in einer Krisensitzung beschlossen, die Mitgliedschaft des An’Nur-Vereins ruhen zu lassen.

 

Warum hat Ihr Verband nicht gleich die Mitgliedschaft sistiert?
Auch hier gilt zuerst die Unschuldsvermutung. Wir wollen nicht vorverurteilen, bevor die Gerichte nicht entschieden haben. Sollten sich aber die bisherigen Anschuldigungen bestätigten, bieten unsere Statuten die Grundlage, um die VIOZ-Mitgliedschaft endgültig aufzukündigen. Anderseits sind wir offen, wenn die islamische Gemeinschaft An’Nur in Winterthur eine Kurskorrektur wünscht, um ihr bei der Suche eines neuen Imams zu helfen.

 

Sie haben also keine Berührungsängste vor radikalen Islamisten?
Sehen Sie: Unser Ziel ist es, Menschen, die radikalen Ansichten zuneigen, wieder auf den richtigen Weg zurückzubringen. Wir sind nicht die Religionspolizei, sondern verfolgen als Dachverband einen pädagogischen Auftrag.

 

Die VIOZ selbst bekennt sich zur Verfassung?
Jeder Mitgliedsverein für sich ist autonom. Aber der Mitgliedsstatus ist gebunden an eine Grundsatzerklärung, sich an die rechtsstaatlichen Regeln zu halten. Wir bekennen uns zur Schweizer Rechtsordnung und Demokratie.

 

Nun hat am Montag die NZZ geschrieben: «In der Schweiz entsteht mit finanzieller Unterstützung aus dem Ausland ein weitverzweigtes Netz undurchsichtiger Moscheen.»
Undurchsichtig sollen Moscheen nicht sein. Es ist mir ein Anliegen, dass die Finanzströme der einzelnen Moscheen transparent gemacht werden. In der Moschee, die ich besuche, ist klar: Sie wird von einer Stiftung getragen, die mit Geldern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bezahlt wird. All ihre Einnahmen und Ausgaben müssen aber gegenüber der behördlichen Stiftungsaufsicht öffentlich gemacht werden.

 

Nun wird von der Kritikerin Saida Keller-Messahli der Vorwurf erhoben, dass Saudi-Arabien mit Geldern die Verbreitung des radikalen Islams in der Schweiz fördert.
Meines Erachtens ist der Einfluss auf die Theologie und Haltung einer Moschee wesentlich weniger von der Herkunft des Geldes abhängig, als meist angenommen wird. Weit stärker wird das Klima eines Gotteshauses von der lokalen Kultur geprägt. Vielleicht gibt es in Genf Probleme, die auch mit saudischen Geldern zusammenhängen. Aber das will ich nicht kommentieren, denn die VIOZ ist ein Verband, der sich ausschliesslich mit den Problemen des Kantons Zürich beschäftigt.

 

Aber auch hier beziehen viele Moscheen Gelder aus dem Ausland.
Wenn die muslimischen Religionsgemeinschaften öffentlich-rechtlich anerkannt wären, hätte man mehr finanzielle Mittel zur Verfügung und müsste sie nicht im gleichen Ausmass im Ausland beschaffen. Wer den Geldhahn vom Ausland zudrehen möchte, der kann nicht erwarten, dass wir die ganzen Aufwendungen für eine grosse öffentliche Gemeinschaft nur aus Spenden generieren.

 

Wie gross ist nun das Extremisten-Problem in der Schweiz?
Natürlich sollte man die Probleme hier in der Schweiz nicht klein reden. Andererseits sollten wir uns vor Augen halten, dass in Deutschland oder Frankreich viel grössere Schwierigkeiten mit radikalisierten Jugendlichen bestehen. Denken Sie nur an die Probleme der Nordafrikaner rund um die französischen Grossstädte, die in Banlieus leben und aufgrund ihrer sozialen Situation leicht empfänglich sind für fundamentalistische Botschaften. Demgegenüber sind die Zürcher Muslime sehr gut integriert.

 

Sie selber beteiligen sich im Forum der Religion am interreligiösen Dialog des Kantons. Aber was macht der VIOZ, um der Bevölkerung Einblick in den Alltag der islamischen Religion zu geben.
Wir beteiligen uns aktuell stark an der «Woche der Religionen». Die Menschen im Kanton sollen sich auch einmal ein Bild von unseren Moscheen machen können. Deshalb laden wir jetzt am nächsten Wochenende am Tag der offenen Moscheen in acht verschiedenen Orten ein und öffnen unsere Gebetsstätten für alle. Für mich ist es ganz wichtig, dass wir im direkten Kontakt miteinander sind, um Ängste abzubauen. Aufgrund der sehr komplizierten Lage im Nahen Osten stehen leider Muslime auch in der Schweiz bei manchen Menschen unter Generalverdacht. Aber wie ich schon gesagt habe, die Schweizer Muslime ticken anders. Extreme Haltungen sind eher selten.

 

Delf Bucher/reformiert.
Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

 

Informationen zum Tag der Moscheen