Methodisten streiten über Abstimmung zur Homosexualität

Die Abstimmung von Ende Februar über den Umgang mit Homosexualität spaltet die Methodistenkirche. Eine Untersuchungskommission prüft nun mögliche irreguläre Stimmabgaben.


Die weltweit rund zwölf Millionen Mitglieder zählende Evangelisch-methodistische Kirche streitet über eine Grundsatzabstimmung zum Umgang mit Homosexualität. Ende Februar hatten die Delegierten der Generalkonferenz auf ihrer Tagung in den USA ihre restriktive Haltung vor allem gegenüber gleichgeschlechtlichen Ehen bestätigt. Danach kam es zu Spannungen, einige warnten bereits vor einer Spaltung der Kirche. Nun sei eine Untersuchungskommission eingerichtet worden, um möglicherweise irreguläre Stimmabgaben im Februar zu prüfen, teilte der Informationsdienst der Kirche mit.

Ungültige Stimmzettel

Bei der Versammlung in St. Louis im US-Staat Missouri stimmten die Delegierten nach einer emotional geführten Debatte mit 438 zu 384 Stimmen für ein Papier, dem zufolge die Kirche an ihren Vorschriften gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und gegen in Partnerschaft lebende schwule und lesbische Pastoren festhält. Fragen zur Teilnahme von nicht stimmberechtigten Delegierten wurden in der vergangenen Woche erstmals in der Tageszeitung New York Times aufgeworfen.

«Mindestens vier Stimmzettel» wurden laut Times von nicht autorisierten Personen abgegeben. Die Zeitung berief sich auf Kirchendokumente und Interviews. Die Personen sollen aus afrikanischen Kirchendelegationen stammen, die entscheidend gewesen seien bei der bewilligten Resolution. Im Informationsdienst der methodistischen Kirche ist von «einer sehr begrenzten Zahl» irregulärer Stimmen die Rede. Laut dem Sekretär der Generalversammlung, Gary Graves, ist die Zahl nicht hoch genug, um das Resultat der Abstimmung zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu verändern.

Rechtshof prüft neue Regelungen

Allerdings sei eine Entscheidung der Generalversammlung über den Modus der Abspaltung von Gemeinden von der Kirche mit knappen 402 zu 400 Stimmen getroffen worden. Graves erklärte, er rechne vor Herbst mit dem Bericht der kirchlichen Untersuchungskommission über mögliche Unregelmässigkeiten.

Unabhängig von der Kontroverse über die Stimmabgabe will der Rechtshof («Judicial Council») der Evangelisch-methodistischen Kirche bei seiner Sitzung vom 23. bis 26. April prüfen, ob alle Regelungen in dem Beschluss von St. Louis zum Umgang mit Homosexualität mit der Verfassung der Kirche konform sind. Der Rechtshof ist das oberste rechtliche Gremium der Kirche.

Aufruf an Mitglieder

Auch in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) Schweiz hat die Abstimmung hohe Wellen geworfen. In einem Hirtenbrief wandte sich der Schweizer Bischof der EMK, Patrick Streiff, Anfang März an die Mitglieder der EMK in Mittel-und Südeuropa und forderte sie auf, die Kirche nicht überstürzt zu verlassen (ref.ch berichtete). Streiff wies darauf hin, dass bis zur Zentralkonferenz im März 2021 noch die aktuelle Kirchenordnung gelte. Bis dahin müssten Gespräche geführt werden, «wer in Zukunft auf welche Art methodistische Kirche sein will».

Ihre Haltung zur Homosexualität beschäftigt die Methodisten seit Jahren. In den USA haben einige methodistische Pastoren gleichgeschlechtliche Ehen gesegnet. Konservative US-Kirchenmitglieder und besonders Kirchen aus Afrika lehnen das grundsätzlich ab. Rund sieben Millionen der nach Kirchenangaben 12,6 Millionen Methodisten leben in den USA. Dort verliert die Kirche seit Jahren Mitglieder, wie aus Kirchenstatistiken hervorgeht. In afrikanischen Ländern dagegen gewinnt sie stark dazu. Der Methodismus betont einen verbindlichen Glauben, intensives Bibelstudium, soziales Engagement und praktische Dienste der Nächstenliebe. (epd/no)