Mehr Männer bei Quereinstieg ins Theologiestudium

Sie sind Architekten oder Juristen, Germanisten oder Geografen – und mehrheitlich männlich: die Quest-Studienanfänger. Frauen bilden beim Quereinstieg ins Theologiestudium die Minderheit. Auf den ersten Blick ist das ein überraschender Befund.

In einer Kampage für Quest wirbt Pfarrerin Stina Schwarzenbach für den Quereinstieg ins Theologiestudium. Frauen sind dort aber die Ausnahme. (Bild: zVg/theologiestudium.ch)

Das Herbstsemester 2014 brachte für die Theologische Fakultät in Zürich einen historischen Negativrekord: Ein einziger Mann schrieb sich zum Erststudium der Theologie im Monofach ein. Ihm gegenüber standen elf Frauen. Selbst wenn man die Statistik auf die Universitäten Bern und Basel ausweitet, lautet das Verhältnis 12 zu 26 (Quelle: BfS). Seit Jahren bilden die Frauen unter den reformierten Theologiestudierenden eine wachsende Mehrheit. Das wirkt sich auf die Kirchen aus: Während viele alte Pfarrer in Pension gehen, rücken junge Pfarrerinnen nach.

Eine Generationenfrage

Nun setzt sich dieser Trend interessanterweise im neuen Konkordats-Studiengang für den vereinfachten Quereinstieg ins reformierte Pfarramt, Quest, nicht fort. Hier sind die Männer deutlich in der Überzahl: Nach Abschluss des Aufnahmeverfahrens blieben 21 männliche und 16 weibliche Teilnehmer übrig, die ab dem 14. September ihr Zweitstudium beginnen dürfen. Diese Angaben sorgen in kirchlichen Kreisen für einiges Aufsehen.

Wie lässt sich ein solch markanter Unterschied in den Zahlen erklären? Die Antwort ist wahrscheinlich einfacher als erwartet. Es dürfte sich vor allem um ein Generationenproblem handeln. Diese Vermutung äussern sowohl der Quest-Verantwortliche Matthias Bachmann als auch Stefan Münger von der Universität Bern, der das dortige Intensivstudium Theologie für Akademikerinnen und Akademiker, Ithaka, betreut.

Deutlicher Unterschied zum Erststudium

In der Altersgruppe um die 50, aus der viele Quereinsteiger stammen, gibt es schlichtweg mehr Männer als Frauen, welche die Voraussetzung eines akademischen Abschlusses erfüllen. Auch war und ist Theologie in dieser Generation nach wie vor eine männlich dominierte Wissenschaft.

Bei Ithaka stehen den 7 Teilnehmern zwar 10 Teilnehmerinnen gegenüber. Aber das ändert nichts am Gesamtbefund, dass sich die Zusammensetzung nach Geschlechtern massiv vom Erststudium unterscheidet. Es deutet nur darauf hin, dass Quest als berufsbegleitende Ausbildung für Männer, die noch die traditionelle Rolle als Familienversorger erfüllen, zugänglicher ist als das Vollzeit-Studienprogramm Ithaka.

Dieser Beitrag erschien erstmalig in der Reformierten Presse vom 14. August 2015.