Die Menschen, mit denen Ali Beytekin beruflich zu tun hat, trifft er sitzend oder liegend an, während er laufend in Bewegung ist. Die Sitzenden, das sind die Mitarbeitenden der Züricher Landeskirche.
Ali Beytekin begegnet ihnen, wenn sie vor dem Bildschirm brüten und nur ihren Gedanken und den Fingern auf der Tastatur freien Lauf lassen. Ansonsten sitzen sie also da, oftmals krumm oder verkrampft – was ihm sofort auffällt, wenn er bei ihnen vorbeikommt und ihnen zweimal täglich die Hauspost bringt: das lang ersehnte Buch, das Gut zum Druck aus der Druckerei, den Flyer aus der Kirchgemeinde.
Immer marschieren
Ein kurzes «Hallo, wie gehts?», und schon macht sich der kirchliche Postbote wieder auf den Weg treppauf in die nächste Abteilung. Dort bringt er Zeitungen und Päckli, nimmt entgegen, was ausgebrütet und zu Papier gebracht wurde.
Er verstaut alles im Rucksack oder im Handwagen und marschiert weiter. Quer durchs Niederdorf geht seine Tour, von Haus zu Haus der Landeskirche, von der Blaufahnenstrasse 10 über den Hirschengraben 7 weiter an die Kirchgasse zum Kirchenrat, von dort an den Hirschengraben 50, dann wieder zurück an die Blaufahnenstrasse.
Dort warten die grossen Versände, Einladungen an die Kirchensynode beispielsweise, die noch frankiert werden müssen. Wenn das erledigt ist, heisst es wieder losmarschieren, via Grossmünster zur Post an der Rämistrasse.
«Die Menschen mögen»
«Ich bin gern in Bewegung», sagt der 56-Jährige. Anders ginge es nicht. Sechs Kilometer sind an einem Tag zu bewältigen. Die Höhenmeter auf den Treppenstufen und das Lastgewicht sind in der Leistungsbilanz noch nicht mitgerechnet.
Gewählt habe er den Beruf als Kurier der Landeskirche damals vor zwölf Jahren als ideale, teilzeitliche Ergänzung zum anderen Beruf, der ihn eben mit den Liegenden in Kontakt bringt: Ali Beytekin ist Gesundheitsmasseur und arbeitet ebenfalls schon mehr als ein Dutzend Jahre in einem Fitnesspark der Migros.
Büromenschen
Es sind nicht selten Büromenschen, die dann vor ihm auf der Massagebank liegen, und sich von seinen geübten Handgriffen Linderungen am verspannten und verkrampften Körper erhoffen. Ihnen löst er die Verspannungen, schafft Wohlbefinden und bringt die Energie im Körper wieder zum Fliessen.
«Man muss die Menschen mögen, darf keine Berührungsängste haben und braucht gute, kräftige Hände», so beschreibt der Wahlzürcher mit türkischen Wurzeln die Voraussetzungen für seinen zweiten Beruf. Ein festes Vertrauensverhältnis, das sei ebenfalls wichtig und Voraussetzung, um überhaupt am Körper arbeiten zu können.
Auch ein bisschen Seelsorge
Auf den Menschen eingehen, ihm auch zuhören, auch das gehöre zum Beruf eines Masseurs, der seine Kunden oft über Jahre hinweg begleitet. Auch ein bisschen Seelsorge sei das, sagt der Masseur und Kirchenkurier schmunzelnd und macht sich dann wieder auf den Weg.
Der Text stammt aus der Zeitschrift «notabene», Nummer 6/15, der Zeitschrift für die Mitarbeitenden der Zürcher Landeskirche.