Luther-Schatz in Kieler Uni entdeckt

Rechtzeitig zum Reformationsjubiläum 2017 in Deutschland hat die Kieler Uni-Bibliothek ihre Bestände durchsucht. Zum Vorschein kamen bisher wenig beachtete Luther-Erstausgaben und frühe Lutherdrucke. Zum Jubiläum sollen sie erstmals ausgestellt werden.

Die Universitätsbibliothek in Kiel. (Bild: Amidasu/Wikimedia)

In der Bibliothek der Kieler Christian-Albrechts-Universität schlummern einige bislang kaum beachtete Schätze. So lagern hier etwa historisch wertvolle Luther-Erstausgaben. Die Leiterin des Altbestandes, Klára Erdei, hat sie kürzlich gesichtet und ist immer noch erstaunt, was sie in den Regalen entdeckt hat. Unter den 124 verzeichneten Titeln befinden sich ein Original-Exemplar des September-Testaments und vier Blätter des legendären Thesenanschlags des Reformators Martin Luther (1483-1546).

Originaleinbände unter Schutzkartons

Das September-Testament erschien 1522 und ist die erste Ausgabe von Luthers deutscher Übersetzung des Neuen Testaments der Bibel. Der Reformator vollendete das Werk noch auf der Wartburg. Hier versteckte er sich 1521/22 unter dem falschen Namen «Junker Jörg». Drei Jahre später erschien dann das Neue Testament in einer niederdeutschen Ausgabe, die ebenfalls in der Uni-Bibliothek zu finden ist. Der Ledereinband ist noch das Original von 1525. Auch bei anderen Werken verbirgt sich hinter den Schutzkartons der Original-Einband.

Herkunft unklar

Die Suche nach den Lutherschätzen begann mit einer Anfrage aus Greifswald. Die dortige Bibliothek plant eine Luther-Ausstellung und sucht Leihgaben. Klára Erdei machte sich auf die Suche, zunächst am Computer und dann im Magazin. Dort erst entdeckte sie hinter oft erneuerten Einbänden, welche Schätze in Kiel lagern. Unklar ist in den meisten Fällen immer noch, wie die historisch wertvollen Werke in die Kieler Bibliothek gelangten.

Auf Spurensuche

Die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wurde 1665 gegründet und ist nach ihrem Gründer, Herzog Christian Albrecht von Schleswig-Holstein-Gottorf, benannt. Die theologischen Werke sind deutlich älter. Jetzt sind Schilling und Erdei auf der Suche, ob es in den Bänden Hinweise gibt, wie sie nach Schleswig-Holstein gelangt sind. Bei einigen Büchern sind sie bereits fündig geworden. Sie stammen aus einem Nachlass des US-amerikanischen Büchersammlers William Jackson. Seine Hinterlassenschaft wurde 1934 versteigert. (epd/Hartmut Schulz)