Ein Bistrotisch, darauf Laptop, Mikrofon, Wasserglas und eine Playmobilfigur von Martin Luther, dahinter eine Leinwand. «Wir begrüssen Sie zur Reformations-Roadshow der Deutschen Zentrale für Tourismus mit Röbi Koller», steht darauf. Erste Station von Kollers Reisebericht ist die Helferei, die Kapelle gegenüber dem Grossmünster in Zürich. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn ist der dunkle Kirchenraum an diesem sonnigen Frühlingsabend zur Hälfte besetzt. Ein gut gelaunter Röbi Koller in Anzug und weissem Hemd begrüsst am Eingang.
Der Radio- und Fernsehmoderator reiste im vergangenen Herbst vier Tage durch die neuen Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit einem Fotografen im Schlepptau und einer Plastikfigur von Luther auf dem Armaturenbrett fuhr er zu den Orten der Reformation. Kollers Mission heute Abend: Er soll mit seinem Reisebericht die Leute anregen, eigene Reisen zu unternehmen. Im Vorraum der Helferei haben Touristiker bereits Tische mit Werbematerial aufgebaut.
Luther nie begegnet
Koller überlässt das Wort zuerst dem «Gastgeber» des Abends, Grossmünsterpfarrer Christoph Sigrist. «Der Gastgeber in einer Kirche sei nie der Sigrist, auch wenn dieser Pfarrer ist», scherzt er, «sondern der heilige Geist und der liebe Gott.» Sigrist witzelt weiter, begrüsst alle, «die wegen Röbi Koller hier sind – oder vielleicht auch wegen Luther» und schliesst mit: «Wir freuen uns, wenn auch viele deutsche Touristen zu uns ins Grossmünster kommen.»
Koller übernimmt, verspricht Sigrist beim nächsten Mal einen Vortrag über Zwingli und den Zuhörenden einen Plastik-Luther zum Mitnehmen. Die Leute klatschen, Koller hat sie im Sack. Er startet mit einem Familienbild von seiner Erstkommunion in den 60er-Jahren. «Ausgerechnet ein Katholik als Luther-Botschafter», hatte die NZZ noch am Samstag geschrieben. Luther sei weder in der Familie noch in der Ausbildung ein Thema gewesen, gibt Koller gleich zu Beginn zu, «allenfalls kam er mal im Geschichtsunterricht im Gymnasium vor.»
Nichts Neues, aber unterhaltsam
Vielleicht gerade darum redet Koller in seiner Präsentation vor allem von Luther und lässt Touristisches nebenherlaufen. Während er Bilder der besuchten Orte Eisleben, Leipzig, Torgau, Wittenberg, Eisenach und Erfurt zeigt, erzählt er vom Reformator – auswendig und in einfacher Sprache. Unterbrochen wird sein Vortrag von Filmsequenzen: Koller interviewt Historiker oder Darsteller in Kostümen, die als Luther, dessen Frau Katharina von Bora oder Melanchthon auftreten und in der Ich-Form die Geschichte der Reformation erzählen. Vereinzelt wird auch mal ein Glockengeläute oder Bachmusik eingespielt, oder Koller zückt einen Zettel und liest ein paar von Luthers Thesen vor.
Nach einer Stunde ist die Show vorbei. Koller überlässt die Zuhörenden dem Apéro und den Touristikern. – Fazit des Abends: Lutherkenner haben nichts Neues gehört. Aber Koller hat gut unterhalten, auch mal eine Anekdote oder Nebengeschichte erzählt. Seine Begeisterung für Luther ist ansteckend. Und schliesslich zählt genau das im Tourismus. Er wäre auch für Ulrich Zwingli ein guter Botschafter.
Weitere Daten der Roadshow:
13. April in Aarau
14. April in Basel
15. April in Bern
16. April in St. Gallen