Mit Kindern über den Tod reden
Das Leben und ich. Eine Geschichte über den Tod der Autorin Elisabeth Helland Larsen und der Illustratorin Marine Schneider macht Kindern das Sterben verständlich, in einer klaren Sprache und in magisch schönen Bildern.
Kinder sollten wissen, was es bedeutet, wenn jemand stirbt; denn das Nichtwissen ist es, was Angst macht. So lautet die klare Botschaft von Elisabeth Helland Larsen, die selbst in Kinderhospizen arbeitet. In ihrem Buch berührt sie deshalb häufig gestellte Fragen: Tut sterben weh? Merkt man, wenn sich der Tod nähert? Komme ich in den Himmel? Werde ich begraben? Wiedergeboren? Und am Ende der Lektüre wird klar: beide, Leben und Tod, sind untrennbar miteinander verbunden. Zusammen stehen sie «hinter allen Türen, die geöffnet werden». Kunstvolle Zeichnungen in frischen Farben nehmen dem Thema jede Schwere und Traurigkeit. Dieses kluge Buch wünscht man vielen kleinen – und auch grossen – Leserinnen.
Elisabeth Helland Larsen, Marine Schneider: Das Leben und ich. Eine Geschichte über den Tod. Verlag Kleine Gestalten, Berlin 2016, 48 Seiten, 21.90 Franken.
Vom Reformer zum Stifter
Paulus wollte das Judentum erneuern, wurde aber gegen seinen Willen zum Architekten des Christentums. Diese These vertreten Gerd Theissen und Petra von Gemünden in ihrem Buch Der Römerbrief. Rechenschaft eines Reformators.
Paulus hatte so wenig die Absicht, eine neue Religion zu gründen, wie Martin Luther eine neue Kirche gründen wollte. Beide handelten als Reformer, nicht als Religions- oder Kirchenstifter. Paulus wollte das Judentum seiner Zeit so öffnen, dass alle Menschen, auch Nicht-Juden, in ihm ihre religiöse Heimat hätten finden können. Das Autorenduo Gerd Theissen und Petra von Gemünden beleuchtet anhand des Römerbriefs sowohl neue Aspekte von Paulus und seiner Botschaft als auch Widersprüche zwischen der wissenschaftlichen und der reformatorischen Paulusauslegung. Gerade auch im Hinblick auf das Reformationsjubiläum ist dieses Buch sehr zu empfehlen.
Gerd Theissen, Petra von Gemünden: Der Römerbrief. Rechenschaft eines Reformators. Verlag Vandenhoeck& Ruprecht, Göttingen 2016, 560 Seiten, 49.40 Franken.
Schreiben über das Unaussprechliche
Tiefgründig und einfühlsam beschreibt Thomas Wild in Mit dem Tod tändeln. Literarische Spuren einer Spiritualität des Sterbens menschliche Grenzerfahrungen.
In der neueren literarischen Auseinandersetzung mit Sterblichkeit, Verlust und Trauer erkennt Thomas Wild eine zeitgenössische Spiritualität. Ausgangspunkt der Texte sind meist existenzielle Erfahrungen: Autorinnen verfassen angesichts des Todes eines Elternteils oder eines nahen Freundes biografische Texte, sie schreiben über den Verlust ihres Partners oder über wenig empfindsame oder beleidigende Verhaltensweisen des persönlichen Umfelds. In seinem Buch stellt Wild solche literarischen Werke in den Mittelpunkt und kommentiert sie in zwanzig Essays. So wird dem Leser Einblick gewährt in einmalig gelebtes, aber eben auch vergängliches Leben. Darüber hinaus wird deutlich, dass Literatur ein persönliches Vermächtnis an die Lebenden ist.
Thomas Wild: Mit dem Tod tändeln. Literarische Spuren einer Spiritualität des Sterbens. Radius-Verlag, Stuttgart 2016, 296 Seiten, 28.90 Franken.
Vom Platz des Menschen in der Welt
Das heutige Weltbild unterscheidet sich fundamental von demjenigen in der Bibel. Was dieser Wandel für den Menschen, sein Lebensgefühl und seine Stellung im Kosmos bedeutet, ist Thema von Der entgrenzte Kosmos und der begrenzte Mensch. Beiträge zum Verhältnis von Kosmologie und Anthropologie.
In der Antike glaubten die Menschen, der Himmel wölbe sich wie ein Baldachin über die Erde. Darunter hatte alles seinen Platz und war in eine heilige Ordnung gegliedert: die Elemente, die Menschen, die Tiere und die Pflanzen. Als dieser «Baldachin» zerbrach, musste auch die Stellung des Menschen neu bestimmt werden, mit weitreichenden Folgen für alle Bereiche des Lebens. Im Buch Der entgrenzte Kosmos und der begrenzte Mensch erörtern die Autoren die Herausforderungen dieser weltbildlichen Veränderungen in sechs theologischen und naturwissenschaftlichen Beiträgen. Der Dialog zwischen Kosmologie und Theologie eröffnet dabei neue Einsichten im Nachdenken über Gott, Welt und Mensch.
Bernd Janowski und Christoph Schwöbel (Hrsg.): Der entgrenzte Kosmos und der begrenzte Mensch. Beiträge zum Verhältnis von Kosmologie und Anthropologie. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016, 135 Seiten, 39.90 Franken.
Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.
