Plädoyer für eine humanere Wirtschaft
Es ist keine leichte Kost, die Eugen Drewermann für seine Leser bereithält. «Geld, Gesellschaft und Gewalt. Kapital und Christentum, Band 1» ist eine Analyse ökonomischer und ökologischer Entwicklungen und fordert neue Wirtschaftsmodelle.
Bereits im fast 60seitigen Vorwort seines Buches benennt Eugen Drewermann eine Fülle von globalen Problemen wie Arbeitslosigkeit, Hungersnöte und Umweltzerstörung. Seine Aussagen untermauert er mit Zahlenmaterial und Querverweisen. Als Ursache vieler Missstände und Fehlentwicklungen sieht er die vorherrschende Wirtschaftsform der USA und der EU, den Kapitalismus, dessen Endzweck immerwährende Maximierung und Wettbewerb sind. Ziel seines Buches ist unter anderem der Nachweis, dass ein ökonomisches System auf Dauer nur dann tragfähig sein kann, wenn es sich nicht ausschliesslich am quantitativen Massstab des Wachstums orientiert. Der zweite Band von «Kapital und Christentum» erscheint noch in diesem Jahr.
Eugen Drewermann: Geld, Gesellschaft und Gewalt. Kapital und Christentum, Band 1. Patmos-Verlag; Ostfildern 2016; 406 Seiten; 39.90 Franken.
Ein Leben zwischen Theologie, Poesie und Politik
Um Kurt Marti ist es stiller geworden. Bemerkenswert ist daher die Neuerscheinung «Grenzverkehr. Beiträge zum Werk Kurt Martis», herausgegeben von Pierre Bühler und Andreas Mauz.
Kurt Martis Werk als Ganzes in den Blick zu nehmen ist nicht die Absicht der Herausgeber. Dennoch bietet Grenzverkehr fundierte Untersuchungen zu Werken und Themen, zwei neuere Gespräche mit dem Autor, eine von ihm inspirierte Weihnachtspredigt und einen biografischen Beitrag. Das Schaffen Martis, sein Erproben neuer Sprachformen und Verbindungen von Theologie und Literatur werden anhand vieler Beispiele beleuchtet. Das Buch basiert auf einer Tagung an der Theologischen Fakultät Zürich im Jahr 2013 und setzt eine gewisse Vertrautheit mit Martis Werk voraus. Ein gelungener Beitrag zum Lebenswerk dieses Autors, der in die erste Reihe seiner Schweizer Literatengeneration gehört.
Grenzverkehr. Beiträge zum Werk Kurt Martis, herausgegeben von Pierre Bühler und Andreas Mauz. Wallstein-Verlag; Göttingen 2016; 304 Seiten; 31.90 Franken.
Den Gläubigen einfach mal zugehört
Globalisierung und Migration machen aus Städten Orte religiöser Vielfalt. Der Literaturwissenschaftler und Theatermacher Björn Bicker widmet sich diesem Thema. Er befragt Gläubige verschiedener Konfessionen zum Leben in ihrer Stadt. Das Buch «Was glaubt ihr denn» ist eine Erzählung davon, wer wir heute sind und morgen sein wollen.
Was glauben Menschen? Glauben sie, dass ihr Glaube Privatsache ist? Glauben sie an die Freiheit der Andersdenkenden, an eine bessere Welt? Welche Erwartung haben Gläubige an Demokratie und Rechtsstaat? Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt? Zu Wort kommen im Buch «Was glaubt ihr denn» neben vielen anderen ein Priester aus dem Kongo, ein Sikh, der als Paketfahrer arbeitet, oder eine Medizinstudentin, die die Religion ihrer tunesischen Grosseltern entdeckt. Sie alle erzählen von ihrem religiösen Leben in einer säkularen Gesellschaft. Entstanden ist ein gelungenes Experiment, das ursprüngliche Theatertexte mit Erzählelementen verbindet. Der Text ist ein Plädoyer für das Miteinander-ins-Gespräch-Kommen über Glaubensgrenzen hinweg.
Björn Bicker: Was glaubt ihr denn? Verlag Antje Kunstmann; München 2016; 267 Seiten; 32.50 Franken.
Die Schöpfungsgeschichte bildgewaltig nacherzählt
Mit beeindruckenden Schwarzweissfotos von Sebastião Salgado sowie Meditationen von Jacqueline Keune und Pierre Stutz wird im Buch «Und Gott sah» die Schönheit der Schöpfung zelebriert.
Die Genesis erzählt, wie sich Gott am sechsten Tag sein Schöpfungswerk ansah und zum Urteil kam: Es war sehr gut. Dieser biblischen Erzählung des Ursprungs geben der Fotograf und die Autoren einen besonderen Rahmen. Jeder Schöpfungstag ist mit einzigartigen Fotos in Grossformat aus dem Genesis-Zyklus Salgados illustriert. Die ausgewählten Bilder des brasilianischen Starfotografen, stark geprägt von seiner eigenständigen Ausdrucksweise, sind ein visuelles Erlebnis und ein Appell, sich der fortschreitenden Umweltzerstörung bewusst zu werden. Texte von Jacqueline Keune und Pierre Stutz vertiefen die Bildsprache der Fotografien und runden jeden Schöpfungstag ab.
Und Gott sah. Verlag Misereor; Aachen 2016; 24 Seiten; 18.50 Franken.
Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in Bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.
