Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Einmal im Monat bringen wir neu theologische Fachbuch-Tipps von Bref, dem Magazin der Reformierten. Dieses Mal spannen wir den Bogen von Luthers Schriften zu naturwissenschaftlichen Streifzügen des Vatikans bis zum Kreuz mit dem Kreuz.

Ein Göttertrip von den Alpen bis zur NordseeBöss

Ob Sekten, Tempelgemeinden, Kirchen oder Druidenzirkel: In «Deutschland, deine Götter. Eine Reise zu Kirchen, Tempeln, Hexenhäusern» stellt Gideon Böss die religiöse Vielfalt unseres nördlichen Nachbarlandes vor.

Vergleichen ist nicht nur beim Kauf eines Smartphones wichtig, sagt sich der Autor Gideon Böss, sondern auch bei den «Produkten für die Seele». Und da ist die Auswahl in Deutschland gross und wird immer grösser. Böss macht sich auf, die vielfältigen spirituellen Angebote zu prüfen. Er reist quer durchs Land, um sich mit Vertretern verschiedener Kirchen und religiösen Gruppierungen zu treffen. Neugierig und witzig, aber nie respektlos hält Böss in 26 Momentaufnahmen fest, wie unterschiedlich geglaubt, gehofft und gefeiert wird. Die Lektüre ist auch für den Schweizer Leser lohnend, zumal etliche Glaubensgemeinschaften auch hierzulande vertreten sind.

Gideon Böss: Deutschland, deine Götter. Eine Reise zu Kirchen, Tempeln, Hexenhäusern. Tropen; Stuttgart 2016; 398 Seiten; 26.90 Franken


Luther

Luthers Schriften reloaded

Über Martin Luther wird viel geschrieben. Seine Schriften jedoch selbst zu lesen, ist nach wie vor lohnend. Insbesondere dann, wenn ein Autor wie Martin H. Jung in der Textsammlung «Luther lesen» Schriften von Luther aufbereitet und gut verständlich in den Kontext eingeordnet hat.

Wer Martin Luther auch als Nichttheologe verstehen will, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. «Luther lesen» bildet das Leben Luthers anhand verschiedener biografischer Eckpunkte ab. «Luther lesen» bietet kirchengeschichtlich Orientierung, lässt den Leser an der kraftvollen Sprache Luthers teilhaben und gibt einen profunden Einblick in das Leben und Denken des Reformators. Neben bekannten Schriften wie die Thesen oder die Freiheitsschrift beinhaltet die Lektüre auch kontrovers diskutierte Texte wie die sogenannten Judenschriften.

Martin H. Jung (Hg.). Luther lesen. Vandenhoeck & Ruprecht; Göttingen 2016; 213 Seiten; 20 Franken.


Verblüffendes aus der Vatikanischen Sternwarte

34265-3_Consolmagno_Gott-u-Universum_K4a_fin.indd«Wo war Gott, als das Universum geschaffen wurde?» ist ein lohnender Streifzug durch die grossen Fragen der Menschheit. Guy Consolmagno und Paul Müller sind Jesuiten und Wissenschaftler in der Vatikanischen Sternwarte.

Menschen aus aller Welt richten ihre Fragen an die Vatikanische Sternwarte. Sie betreffen unter anderem Anfang und Ende des Universums, den Stern von Bethlehem oder die Taufe von Ausserirdischen. Die zahlreichen Zuschriften gaben Guy Consolmagno und Paul Müller den Anstoss zu ihrem Buch, welches nun ins Deutsche übersetzt wurde. Unterhaltsam erschliessen die beiden Autoren im Gespräch komplexe Zusammenhänge und legen ihre Sicht auf das Verhältnis von Glaube und Naturwissenschaft dar: «Die Physik hinter dem Leuchten der Sterne ist nicht nur logisch. Sie ist auch schön. Und das sagt mir einiges über denjenigen, der für die Sterne verantwortlich ist».

Guy Consolmagno, Paul Müller: «Wo war Gott, als das Universum geschaffen wurde?» Verlag Herder; Freiburg im Breisgau 2016; 288 Seiten; 28.90 Franken.


Das Kreuz mit dem Kreuz von Reiner Knieling

Das Kreuz: Stolperstein oder Lebenskraft?

Das Kreuz als Hauptsymbol der Christen ist unbestritten. Wofür es aber genau steht, wird kontrovers beurteilt. Mit «Das Kreuz mit dem Kreuz. Sprache finden für das Unverständliche» sucht Reiner Knieling nach Perspektiven in der Deutung des Kreuzes.

«Jesus ist für dich gestorben» – diesen Satz hörte Reiner Knieling in seiner Jugend immer wieder. Er konnte aber nicht verstehen, warum sich Gottes Liebe gerade auf diese Weise zeigen sollte. Damit ist Knieling, der heute als Pfarrer und Dozent tätig ist, nicht allein. So mancher ist überfordert mit den Deutungen, die mit dem Kreuz Jesu verbunden werden: Stellvertretung, Opfer, Sühnetod, Rechtfertigung, Versöhnung. Knieling fragt darum: Was muss verabschiedet und was besser verstanden werden? Und wie kann darüber verständlich gesprochen werden? Besonders der dritte Teil des Buches enthält dazu zahlreiche Impulse und konkrete Beispiele.

Reiner Knieling: «Das Kreuz mit dem Kreuz. Sprache finden für das Unverständliche». Gütersloher Verlagshaus; Gütersloh 2016; 224 Seiten; 28.90 Franken.

 


 

Die Tipps stammen von Andrea Aebi und sind erstmals in Bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier  abonniert werden.