Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Was verraten Fotografien über den Menschen und Theologen Karl Barth? Welche Herausforderungen stellen sich am Lebensende? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Durch das Leben von Karl Barth wimmeln

Die Neuerscheinung Karl Barth. Bilder und Dokumente aus seinem Leben bietet einen anschaulichen, unmittelbaren Zugang zu dem grossen Schweizer Theologen und seinem persönlichen Umfeld. Rund 650 Abbildungen hat Peter Zocher, Leiter des Karl-Barth-Archivs, in seinem Bildband zusammengestellt. In neun Kapiteln behandelt er chronologisch die biografischen Stationen. Dabei orientiert er sich weitgehend an den verschiedenen Orten, an denen Barth lebte und wirkte. Die einleitenden Texte und Legenden helfen, die Fotos in den Zusammenhang einzuordnen. Im Buch abgebildet ist nicht einmal ein Zehntel des im Karl- Barth-Archiv enthaltenen Nachlasses – und doch: das Material wurde sehr sorgfältig ausgewählt und zeigt ein vielfältiges Panorama der Personen, mit denen Barth lebte und arbeitete. Für alle, die an Karl Barth, seinem Leben und Werk interessiert sind, ist dieser hochwertige Bildband ein reicher Fundus an Material zum Verweilen.

Peter Zocher (Hg.): Karl Barth. Bilder und Dokumente aus seinem Leben. TVZ, Zürich 2018; 304 Seiten; 92 Franken.

Bis dass der Tod euch scheidet

Brustkrebs in fortgeschrittenem Stadium: Völlig überraschend erhält Irene Mieth diese Diagnose – und beschliesst, auf eine Operation zu verzichten. Ihr Mann, der emeritierte Theologieprofessor und Ethiker Dietmar Mieth, ist gegen die Entscheidung seiner Frau und für die Operation. Sie führen lange Gespräche, diskutieren, streiten auch. Am Ende akzeptiert er den Entschluss und begleitet seine Frau auf ihrem Weg. Nach nur sechs Wochen stirbt Irene Mieth. In der Zeit von der Diagnose bis zu ihrem Tod schrieb sie Tagebuch; die Aufzeichnungen liegen der Neuerscheinung Sterben und Lieben zugrunde. Dietmar Mieth ergänzte sie mit seinen Gedanken und seinem Erleben. Entstanden ist so eine Art Fortsetzung der gewohnten Gespräche der beiden. Das Buch gibt Einblick in die Gefühls- und Lebenswelt eines Paares, das weiss, dass es die letzten Wochen miteinander erlebt. Das berührt zutiefst, ist intim und doch niemals voyeuristisch. Sterben und Lieben macht aber auch schonungslos die menschlichen und ethischen Herausforderungen am Lebensende deutlich. So macht Dietmar Mieth die Erfahrung, dass klare Ansichten angesichts grossen Leidens ins Schwimmen geraten können.

Dietmar und Irene Mieth: Sterben und Lieben. Selbstbestimmung bis zuletzt. Herder, Freiburg im Breisgau 2019; 160 Seiten; 26 Franken.

Die Rezensentin Andrea Aebi ist Pfarrerin und stellvertretende Geschäftsführerin der Reformierten Medien, die auch bref herausgeben.