Lest Bücher! Neue Fachbücher zu Theologie und Religion

Wie hat sich unser Verhältnis zu Geld verändert? Wann kippt die Inklusion von Menschen mit Behinderung in stigmatisierende Vereinnahmung? Um diese und weitere Fragen geht es in den theologischen Fachbuch-Tipps von bref, dem Magazin der Reformierten.

Drewermann und der Kapitalismus

Wenn der Kapitalismus weiterfährt wie bisher, fährt er sich früher oder später «voll vor die Wand» – und uns gleich mit. So etwa lässt sich die nicht ganz überraschende Analyse des Theologen Eugen Drewermann im Band 2, Finanzkapitalismus, seiner Trilogie Kapital und Christentum zusammenfassen. Nur wer die Mechanik des globalen Finanzsystems begreife, könne den Kollisionskurs abwenden und alternative Wege einschlagen, schreibt Drewermann. In drei grossen Kapiteln führt der Autor in die Thematik ein. Als erstes widmet er sich dem Thema «Geld und Schuld». Er zeigt auf, wie sich unser Verhältnis zu Geld veränderte und wie es selbst vom Zahlungsmittel zur Ware wurde. Um diese mit Gewinn zu vertreiben, müssen Zinsen erhoben werden. Davon handelt das zweite Kapitel, während sich das dritte den eigentlichen Akteuren im Finanzsystem zuwendet: den Banken und Börsen. Wie schon in Band 1 zu Geld, Gesellschaft und Gewalt will der Autor unter anderem darauf aufmerksam machen, dass blinder Glaube an die Regeln des freien Marktes letztlich auf die Kosten von Mensch und Umwelt geht. Überlegungen, die in Zeiten einer Konzernverantwortungsinitiative durchaus bedenkenswert sind. Auch bereits erschienen ist Band 3, Von Krieg zu Frieden.

Eugen Drewermann: Finanzkapitalismus. Kapital und Christentum (Band 2). Patmos, Ostfildern 2017; 408 Seiten, 47 Franken.


Inklusion weitergedacht

Die gesellschaftliche Beteiligung von Menschen mit Behinderung ist «eine zwiespältige Aufgabe», bewegt sie sich doch im Spannungsfeld von «Vereinnahmung und Überbetonung der Differenz». So schreiben es die Theologen Michaela Geiger und Matthias Stracke-Bartholmai in ihrem Sammelband Inklusion denken. Dennoch nähert sich das Buch dem Thema gleich von mehreren Seiten – und weitet den Begriff Inklusion auch auf andere Menschengruppen und Themengebiete aus. So befasst sich beispielsweise ein ganzes Kapitel mit der Inklusion als ökumenischer Vision.

In zwei anderen Kapiteln wird das Thema theologisch und von der Bibel her betrachtet. Deutlich wird die Spannung der Aufgabe Inklusion im Beitrag über das Matthäusevangelium, in dem auch eine Theologin mit Behinderung zu Wort kommt. Besonders Heilungsgeschichten ärgern sie, weil darin Krüppel, Lahme und Blinde «per Wunder zum Status der Normalen emporgeheilt werden» müssen. Und auch Nils Neumann fragt in seinem Beitrag, ob Menschen mit Handicap durch die explizite Zuwendung im Lukasevangelium nicht noch viel stärker stigmatisiert werden.

Inklusion denken ist eine bereichernde Lektüre für alle, die schon mit dem Thema vertraut sind. Darüber hinaus bietet der Band auch kreative Impulse für die praktische Arbeit.

Michaela Geiger, Matthias Stracke-Bartholmai (Hg.): Inklusion denken. Theologisch, biblisch, ökumenisch, praktisch. Kohlhammer, Stuttgart 2018; 310 Seiten; 38 Franken.


Die Tipps stammen von Tobias Zehnder und sind erstmals in bref erschienen, dem Magazin der Reformierten. Es kann hier abonniert werden.