«Leider meldeten sich keine progressiven Pfarrer»

Am vergangenen Freitag wurde in der «Arena» über die Homo-Ehe diskutiert. Als Gegner war Wilf Gasser von der Evangelischen Allianz eingeladen. Warum war kein progressiver Reformierter da? «Arena»-Moderator Jonas Projer nimmt Stellung.

Wilf Gasser, Sebastian Frehner, Jonas Projer, Hans-Peter Portmann und Kathrin Bertschy (von links) diskutierten in der «Arena».
Wilf Gasser, Sebastian Frehner, Jonas Projer, Hans-Peter Portmann und Kathrin Bertschy (von links) diskutierten in der «Arena». (Bild: SRF)

Herr Projer, in der letzten «Arena» haben Sie Wilf Gasser von der Evangelischen Allianz als Gegner der Homo-Ehe eingeladen. Damit haben Sie einem konservativen Christentum eine Plattform gegeben. Finden Sie das gut?
Jonas Projer: Wir haben nicht dem konservativen Christentum eine Plattform gegeben, sondern den Gegnern der Homo-Ehe und -Adoption. Es gibt nicht sehr viele Kreise, die dazu gerne Stellung nehmen. Die religiös Konservativen gehören dazu.

 

Verstehen Sie, dass das den progressiveren Reformierten in den falschen Hals kommt?
Nicht wirklich. Erst vor drei Monaten haben wir zu einer Flüchtlings-«Arena» den reformierten Pfarrer Christoph Sigrist eingeladen – er absolvierte einen starken Auftritt, auf den wir sehr viele positive Rückmeldungen erhielten. Unter anderem las Christoph Sigrist auf meine Bitte sogar einen Teil der Weihnachtsgeschichte vor – direkt in der Sendung. Es ist also keineswegs so, dass nur das konservative Christentum in der «Arena» vorkommt.

 

Wer entscheidet, wer eingeladen wird?
Das entscheidet die Redaktion der «Arena», verantwortlich bin ich. Wir achten übers Jahr gerechnet stark auf Ausgewogenheit und darauf, Meinungsvielfalt abzubilden. Trotzdem gibt es natürlich kein Recht auf einen Auftritt in einer «Arena»-Sendung – das wäre mit unserer journalistischen Unabhängigkeit nicht vereinbar.

 

Warum haben Sie keine Pfarrperson genommen, die für die Homo-Ehe argumentiert hätte?
Das wäre durchaus denkbar gewesen. In diesem Fall entschied ich mich dagegen. Auf einem der beiden Plätzen im Pro-Lager war für mich ein homosexueller Politiker oder eine homosexuelle Politikerin gesetzt, wir entschieden uns für den schwulen FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann. Es wäre unvorstellbar gewesen, über Schwule und Lesben zu diskutieren, ohne sie in der Hauptrunde vertreten zu haben. Auf den zweiten Platz luden wir die grünliberale Nationalrätin Kathrin Bertschy ein, weil sich die Grünliberalen vehement für die Öffnung der Ehe einsetzen.

 

Und eine Pfarrperson für die hinteren Ränge?
Wir suchten auf Facebook, Twitter und per Aufruf auf SRF 1 Zuschauer, die bei der «Arena» mitdiskutieren. Dort haben sich leider keine progressiven Pfarrpersonen gemeldet – ansonsten hätte ich mir gut vorstellen können, eine ins Publikum einzuladen.