Kurt Koch möchte Bussanlass zum Reformationsjubiläum

Im Vorfeld der Jubiläumsfeierlichkeiten skizzierte Kardinal Kurt Koch an einem Anlass in Basel, wo die Ökumene steht und wie der Fahrplan für das Zusammengehen der Kirchen aussehen könnte.

Kardinal Kurt Koch.
Kardinal Kurt Koch. (Bild: Kirchenbote)

«Wo steht die Ökumene heute», fragte sich Kardinal Kurt Koch anlässlich eines Vortrags zum Fünfjahresjubiläum seiner Kardinalsernennung an der Universität Basel. Eine unverfängliche Frage, die den Verdacht nähre, dass die Ökumene stillstehe. Dem sei nicht so, versicherte Koch: «Ich bin überzeugt, dass sie geht, weil sie lebt». Sie lebe in den Gesprächen, die mit den Ostkirchen geführt werden, ebenso wie mit den durch die Reformation abgespaltenen Westkirchen.

Während die Ostkirchen aber keine neue Kirche schufen, sondern die Grundpfeiler ihres Kirchenverständnisses beibehielten, sei in der Reformation ein neuer Typ von Kirche geschaffen worden, der sich nicht nur in der Lehrmeinung von der römischen Kirche unterscheide, sagte Kardinal Koch. Hinzu kommt: «Luther wollte eine umfassende Reform der einen Kirche und keinen Bruch der Einheit und die Schaffung einer lutherischen Sonderkirche».

Konflikte aushalten

Vom bevorstehenden Reformationsjubiläum im Jahre 2017 erhofft sich Koch mutige Schritte hin zur Einheit. Es wäre eine Chance, wenn drei Punkte im Zentrum stünden: Die Einheit in angemessenem Tempo zu erreichen, was bedeute, dass man den Konflikt aushalten müsse. Ein öffentlicher Bussakt, in dem sich beide Seiten zu dem Leid bekennen, das sie einander in den vergangenen 500 Jahren angetan haben. Und Dankbarkeit und Freude über die gegenseitige Annäherung der vergangenen 50 Jahre.

Unklar ist hingegen laut Koch, wohin die Reise führen soll. Dies, weil es so viele Vorstellungen von Einheit gebe. Die Orthodoxen und die römisch-katholische Kirche verfolgen das Modell der sichtbaren Einheit der Sakramentalität, der Ämter und im Glauben. Die reformierten Kirchen dagegen erkennen die Einheit in der Anerkennung der einzelnen Kirchen. Die Vielfalt aller Kirchen wird als Modell betrachtet. Die Einheit sei aber die Grundkategorie des christlichen Glaubens, mahnte Kurt Koch. «Ohne diese wird sich die Kirche selbst aufgeben.»

Einheit im Verfolgtwerden

Es stimme ihn nachdenklich, dass die Einheit der Christen an einem Ort bereits bestehe: bei jenen Christen, die verfolgt und getötet werden. Keiner unterscheide, ob es sich um Katholiken, Orthodoxe, Anglikaner, Protestanten oder Lutheraner handelt. Kardinal Koch sprach von der «Ökumene der Märtyrer, des Blutes» und zitierte Papst Franziskus: «Wenn unsere Feinde im Tod vereint sind, wie kommen wir dazu, uns im Leben zu trennen?» Das Ziel der ökumenischen Bewegung brauche länger, als man es zur Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils im Jahr 1965 gedacht habe, so Koch: «Die Einheit entspricht aber dem Auftrag des Herrn».

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

 

Franz Osswald/kirchenbote-online.ch