Kurt Koch am Reformationskongress: Spaltung braucht Heilung

Mit der Abschlussveranstaltung ging am 9. Oktober der Reformationskongress zum Jubiläum 2017 in Zürich zu Ende. Kardinal Kurt Koch sprach über die Zurückhaltung der Katholischen Kirche in Bezug auf die Reformationsfeier. In den Gesprächen wurde über die Perspektiven des Jubiläums gesprochen.


Auf beiden Seiten seien Wunden entstanden durch die Spaltung der westlichen Christenheit bei der Reformation im 16. Jahrhundert, sagte Kardinal Kurt Koch in seinem Einstiegsreferat. Der Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen betonte vor den 250 Teilnehmern des Internationalen Kongresses, die Reformation habe keinen Exklusivanspruch auf die Reform der Kirche. Es habe in der Geschichte immer wieder Reformvorgänge gegeben. Franz von Assisi sei für ihn der «zweifellos radikalste Reformer der Kirche» gewesen. Denn er habe die Kirche nicht gegen den Papst reformiert, sondern in Einheit mit der kirchlichen Hierarchie.

Hoffnung auf Einheit
Die Reformation habe jedoch einen anderen Typus von Kirche hervorgebracht. Deshalb sei das ursprüngliche Ziel der Reformation verfehlt worden: Statt einer Reform von Innen, habe es eine Kirchenspaltung gegeben. Daher sei das Gedenken an die Reformation Anlass zu Besinnung, Schuldbekennung und Umkehr. Die Frage für die Zukunft sei: «Wohin geht die gemeinsame ökumenische Reise?» Koch betonte, die Kirchen müssten den bestehenden Konflikt aushalten. Auf beiden Seiten hätten sie Grund, Klage zu erheben und Busse zu tun. Am Schluss stehe für ihn die Hoffnung, durch das gemeinsame Reformationsgedenken «weitere Schritte auf die ersehnte Einheit» zu tun.

Vielfalt nicht negativ
In der anschliessenden Gesprächsrunde betonte Gottfried Locher als Moderator, der Grund des gemeinsamen Feierns sei Christus. Margot Kässmann sagte, es sei ein Fortschritt, dass das Jubiläum «international und ökumenisch» sei. Sie sehe die Vielfalt im Neuen Testament grundgelegt und nicht negativ, sondern als kreative Kraft. «Es wird kein Zurück geben zu einer vormaligen Einheit, sondern es kann eine Einheit nach vorne geben durch die Versöhnung in der Verschiedenheit.» Koch erwiderte, im Neuen Testament gebe es die grosse Vielfalt nicht aufgrund von Spaltungen. Nach einer Spaltung würde eine neue Situation entstehen und da brauche es Heilung.

Chancen des Jubiläums
In der abschliessenden Podiumsdiskussion ging es um die kirchliche und politische Chance, die das Jubiläum 2017 mit sich bringt. Der Schweizer Botschafter in Berlin Tim Guldimann betonte, die Reformation habe einen entscheidenden Beitrag zu den welthistorischen Vorgängen geleistet. Er sehe das Jubiläum auch als Chance für den Tourismus und um eine grosse Zahl von Menschen anzusprechen. Otto Lampe, Deutscher Botschafter, erwiderte, die Reformationsdekade sei kein Business-Konzept. Er möchte, dass mit dem Jubiläum eine Rückbesinnung der Kirchen auf ihre Kernaufgabe, die Vermittlung des Evangeliums, geschieht. Für die EVP-Nationalrätin Maja Ingold hat das Jubiläum die Chance die Frage an den Einzelnen aufzuwerfen: «Wie hast du es mit der Religion?». Der Rektor der Universität Basel, Antonio Loprieno, erwartet für 2017 einen erneuten Diskurs über die Rolle der Theologie, die im Moment eher gefährdet scheint.