Kriegsverbrechen
Milizen-Kommandeur wegen Kriegsverbrechen verurteilt
Der Internationale Strafgerichtshof hat den ehemaligen Milizen-Kommandeur Mahamat Said Abdel Kani aus der Zentralafrikanischen Republik wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen. Dies teilte der Gerichtshof mit Sitz im niederländischen Den Haag auf der Internetplattform X mit. Das Strafmass soll in einer gesonderten Anhörung festgelegt werden, wie die Vorsitzende Richterin Miatta Maria Samba in der online übertragenen Urteilsverlesung sagte.
Nach Überzeugung der Richter spielte Said eine Schlüsselrolle bei den Verbrechen der sogenannten Seleka-Miliz während des Bürgerkriegs in der Zentralafrikanischen Republik. Das Verfahren bezog sich auf seine Tätigkeit im «Zentralamt zur Bekämpfung des Banditentums» in der Hauptstadt Bangui zwischen April und August 2013. Said soll unter anderem für die Folter von mutmasslichen Anhängern des früheren Präsidenten François Bozizé verantwortlich gewesen sein. Gefangene seien unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten worden.
Der afrikanische Binnenstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern war nach dem Sturz des christlichen Präsidenten Bozizé im März 2013 in einem blutigen Konflikt versunken. Dutzende Rebellengruppen, darunter die mehrheitlich christliche Anti-Balaka-Bewegung und die muslimisch-geprägten Seleka, lieferten sich Gefechte und terrorisierten die Zivilbevölkerung.
Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt seit 2014 zu dem Konflikt. Said ist das erste Mitglied der Seleka, das verurteilt wurde. Insgesamt 61 Zeugen hatten vor Gericht in dem Verfahren mit 130 Verhandlungstagen ausgesagt. Zwei Anführer der Anti-Balaka sind bereits verurteilt worden. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden in dem Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik Tausende Menschen getötet und mehr als 1,4 Millionen Menschen vertrieben. (epd/ dst)