Soll das Stimmvolk am 10. Juni Ja oder Nein zur Vollgeldinitiative sagen? Bei dieser Frage gehen die Meinungen in der reformierten Kirche auseinander. Einer, der sich für die Initiative einsetzt und bereits mit Plakaten auf der Strasse dafür weibelte, ist Kristian Joób, reformierter Pfarrer im zürcherischen Volketswil.
«Als Pfarrer und Christ halte ich es für meine Pflicht, mich für die Initiative starkzumachen», sagt Joób, dessen Zwillingsbruder einer der Mitinitianten ist. Schliesslich gehe es bei der Initiative um nichts weniger als Gerechtigkeit.
Pleiten und Blasen verhindern
Die Vollgeldinitiative will, dass in Zukunft nur die Nationalbank Geld herstellen kann. Das gälte auch für das elektronische Geld. Heute können private Banken ebenso elektronisches Geld kreieren. Mit dem angestrebten Verbot könnten laut den Initianten Bankenpleiten und Finanzblasen besser verhindert werden.
«Es ist ungerecht, dass das Geldsystem ohne staatliche Kontrolle den Banken überlassen wird», sagt Joób. «So hat sich eine kleine Kaste von Topbankern etabliert, die sich auf Kosten von Staat und der Allgemeinheit bereichert.» Das störe ihn als Mensch und Christ zutiefst. Dass er deshalb auch als Pfarrer öffentlich Stellung nimmt, sei richtig und wichtig.
«Wir Pfarrer haben ein prophetisches Wächteramt. Wir dürfen und müssen uns mit dem vorherrschenden System anlegen. Das war schon immer so.» Dass er wegen seines Engagements nicht bei allen beliebt ist, damit könne er leben. «Natürlich gab es auch Kritik, dass ich mich als Pfarrer politisch einmische. Aber ich habe von anderen Pfarrern durchaus auch Zuspruch erhalten.»
Verteiltes Volksvermögen
Eine ganz andere Meinung als Joób vertritt Christoph Neuhaus, Ökonom und reformierter Kirchendirektor des Kantons Bern: Er steht der Vollgeldinitiative kritisch gegenüber. «Ich will kein weltweit einzigartiges Experiment», sagt Neuhaus. Er frage sich, woher dann noch das Geld für Investitionen komme.
Kritisch sei er umso mehr, weil die Initianten unredlich argumentieren würden. «Sie behaupten, es werde jahrelang Milliarden quasi vom Himmel regnen. Das Gegenteil ist der Fall, es würde Volksvermögen der Nationalbank verteilt. Es entsteht kein Zusatzvermögen.» Auch das Versprechen, es müssten dann keine grossen Geschäftsbanken wie seinerzeit die UBS vom Staat gerettet werden, sei blauäugig.
Neuhaus hält die Vollgeldinitiative für eine hochriskante Idee, die er überzeugt ablehnen werde. «Im Kanton Bern profitieren die Landeskirchen von Steuern der natürlichen wie juristischen Personen, darum Finger weg von einem funktionierenden System.»
Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.