Kirchenbunds-Gottesdienst genau während Schweizer WM-Spiel

Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund SEK hält an seiner Abgeordneten-Versammlung (AV) im Juni einen Gottesdienst ab – genau während des ersten Schweizer WM-Spiels gegen Ecuador. Einige finden das unglücklich, andere stört es nicht.


Die AV, eine Art Parlament des Kirchenbunds, tagt dieses Jahr vom 15. bis 18. Juni im bündnerischen Schuls. Die Delegierten beginnen am Sonntagnachmittag, 15. Juni, mit einer ersten Arbeitssession. Anschliessend gibt es um 18 Uhr einen «Spaziergang» und dann ab 18.30 Uhr einen Gottesdienst.

Um 18 Uhr ist aber auch Anpfiff des ersten Schweizer WM-Spiels gegen Ecuador. Für fussballbegeisterte Delegierte kommt dieser Fahrplan ungelegen, und es gibt kritische Stimmen, die sich aber dazu nicht öffentlich äussern wollen.

Andreas Zeller, Synodalratspräsident der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn und Fussballfan, stört es indessen nicht, dass die Delegierten dann in einem Gottesdienst sitzen: «Die AV findet jedes Jahr zum gleichen Zeitpunkt statt. Der Beginn ist immer am Sonntagnachmittag.» Und wer das Spiel unbedingt sehen wolle, könnte ja im Hotelzimmer bleiben. Zudem könne man sich am späteren Abend die Zusammenfassung ansehen, «oder man wirft gelegentlich einen Blick auf das iPhone».

«SEK kein Unterverein der Fifa»
Auch der Kirchenratspräsident der gastgebenden Bündner Kirche, Andreas Thöny, sieht kein Problem, dass sich die AV während des Matchs im Gottesdienst befindet: «Spaziergang und Gottesdienst finden nach dem ersten Arbeitsblock statt und sind Bestandteil des ersten Tages. Zudem bietet sich so die Gelegenheit, die Schweizer Mannschaft ins Gebet miteinzuschliessen.» Das sei mindestens so viel Wert wie die Teilnahme am TV-Gerät. Und pointiert: «Der SEK ist kein Unterverein der Fifa.»

Gäbe es allenfalls noch die Chance, den Gottesdienst zu verschieben? Anne Durrer, Sprecherin des SEK, winkt ab: «Die Planung der AV ist selbst ohne Fremdeinflüsse kompliziert genug.» Die eigentliche Arbeit gehe am Sonntag aber nur bis 18 Uhr. «Unsere Delegierten, die Fussballfans sind, werden dann entscheiden müssen, wofür ihre Herzen am höchsten schlagen.»