Schuldunfähig

Kirchen-Brandstifterin muss in Therapie

Im Februar brannte es in der reformierten Kirche in Oetwil am See. Nun musste sich die Brandstifterin vor Gericht verantworten.

Eine Frau, die in der Kirche im Zürcherischen Oetwil am See einen Brand gelegt hat, ist am Donnerstag vom Bezirksgericht Meilen in eine stationäre Therapie eingewiesen worden. Denn «eine kurze Behandlung reicht in Ihrem Fall erfahrungsgemäss nicht aus; Sie brauchen eine längere, engmaschige Betreuung», sagte der vorsitzende Richter bei der mündlichen Urteilsbegründung.

Das Bezirksgericht Meilen sah den Tatbestand der Brandstiftung als erfüllt an, verzichtete jedoch antragsgemäss auf eine Bestrafung. Die Frau habe «vorsätzlich und willentlich» gehandelt, sei aber aufgrund ihrer psychischen Krankheit schuldunfähig. Dass sie therapeutische Hilfe benötigt, bestreitet heute auch die Frau selbst nicht mehr. Ihr grösster Wunsch wäre allerdings, ins geregelte Arbeitsleben zurückkehren zu können. «Doch es ist mir klar, dass das nicht geht», meinte sie am Prozess.

Über eine halbe Million Franken Schaden

Die Frau hatte in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar dieses Jahres in der reformierten Kirche in Oetwil am See einen Brand verursacht. Das Feuer an mehreren Stellen im Gotteshaus konnte von der Feuerwehr zwar rasch gelöscht werden, doch verursachten Russ und Rauch im Inneren des Gebäudes einen Schaden in der Höhe von über 600‘000 Franken.

Am 19. November musste sich die 41-Jährige deswegen vor dem Bezirksgericht Meilen verantworten. Ja, sie habe das Feuer in der Kirche gelegt, «und es tut mir unendlich leid». Doch «es passierte im Wahn», während eines Schubs ihrer manisch-depressiven Erkrankung, an der sie seit über zehn Jahren leidet.

«Therapie die einzige Lösung»

Sie sei an jenem Abend gestresst gewesen und wollte in der Kirche «Stille suchen». Dann sei sie unbemerkt eingeschlossen worden. Und weil sie extrem gefroren habe und aus Ärger über das ihrer Meinung nach schlechte Schliess- und Brandschutzsystem entfachte sie anschliessend mit Kerzen Feuer. Aus der geschlossenen Kirche kam sie, indem sie auf die Empore ging, dort mit einer Vase eine Fensterscheibe einschlug und sich an ihrem Schal nach draussen abseilte. Nach der Tat ging die Frau zurück in die fünf Fussminuten entfernte psychiatrische Klinik, wo sie damals im Rahmen einer fürsorgerischen Unterbringung weilte.

Gemäss der Staatsanwältin sei eine stationäre Therapie für die Frau «die einzige Lösung». Mit dieser Behandlung soll zudem die «immanente Wiederholungsgefahr» solcher Taten durch die Beschuldigte reduziert werden. Bei der Frau habe man eine «starke Affinität zu Feuer» festgestellt, die «in Verbindung mit ihrer psychischen Erkrankung» ein hohes Risiko darstelle.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (sda/mos)