Katholische Kirche schafft in Basel Seelsorge-Stelle für Sexgewerbe

Die römisch-katholische Kirche beider Basel wagt sich in einen Tabubereich vor: Anfang 2016 eröffnet sie in Basel eine Seelsorge-Stelle für Sexarbeiterinnen.

(Bild: Wikipedia/Andre Engels)

Die Stelle «Seelsorge im Tabubereich» («SiTa») ist mit 40 Prozent dotiert und vorerst auf drei Jahre befristet. Das neue Angebot sei in seiner Art weltweit einzigartig, sagten Kirchenvertreter am Donnerstag vor den Medien.

Geführt wird die Stelle ab 1. Januar 2016 von der 38-jährigen deutschen Theologin Anne Burgmer, die seit zehn Jahren in der Schweiz lebt. In erster Linie wolle sie einfach für die Frauen mit ihren Geschichten, ihren Sorgen und Nöten da sein, sagte Burgmer. Neben seelsorgerischen will die Theologin den Sexarbeiterinnen auch mit spirituellen Angeboten zur Seite stehen.

Die Sexworker zum Ausstieg aus dem Milieu zu bewegen ist dagegen nicht Aufgabe der neuen Stelle. Die Frauen im Sexgewerbe zu be- oder verurteilen liege ihr fern, sagte Burgmer. Vielmehr wolle sie den Prostituierten einen Raum bieten, wo sie das loswerden könnten, was sie belastet.

Allein in Basel-Stadt richtet sich das neue Angebot an über 3000 Sexarbeiterinnen. Viele von ihnen wie etwa jene aus Südamerika, den Philippinen oder Ungarn haben einen katholischen Hintergrund. Damit habe das Basler Sexmilieu die Grösse einer Pfarrei, hiess es.

Ihr Domizil hat «SiTa» mitten im Kleinbasler Rotlicht-Milieu in den Lokalitäten von «Aliena». Diese Beratungsstelle für Frauen im Sexgewerbe besteht bereits seit 2001.

Das Engagement in gesellschaftlichen Tabuzonen ist für die Basler Kirchen kein Novum. Von 1987 bis 2013 hatten die katholische und die reformierte Kirche von Basel-Stadt und Baselland gemeinsam das «AIDS-Pfarramt beider Basel» betrieben. Diesem war von 1999 bis 2005 ein Projekt für Prostituierten-Seelsorge angegliedert, dies mit 20 Stellenprozent. (sda)