«Jetzt erst recht»: Schweizer reisen ans Weltsozialforum nach Tunis

Am Freitag ist ein erster Teil der 60-köpfigen Schweizer Delegation ans Weltsozialforum nach Tunesien gereist. Vom Terroranschlag am Mittwoch in Tunis lassen sich die Politiker, Entwicklungshelfer und Gewerkschafter nicht einschüchtern - im Gegenteil. «Jetzt erst recht», lautet der Tenor.

Tunis
Tunis: Hier findet das Weltsozialforum statt. (Bild: Wikimedia/Hansueli Krapf)

Peter Niggli ist der Geschäftsleiter von Alliance Sud, der Arbeitsgemeinschaft von sechs Schweizer Hilfswerken, und gehört zur Schweizer Delegation. Eine Absage der Reise ans Weltsozialforum (WSF) kam zu keinem Zeitpunkt in Frage für den Mann, der einst als freier Journalist in Kriegsgebieten unterwegs war.

Wegen des Terroranschlags finde das WSF in einem besonders «agitierten Moment» statt. «Der Anschlag wird das Forum nicht behindern, aber die Gespräche sicherlich beeinflussen», sagte Niggli auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Sicherheitsbedenken habe er, wie die meisten seiner Mitreisenden, keine. Viele hätten sich ähnlich geäussert nach dem Anschlag. «Jetzt erst recht», laute der Tenor. «Die Solidarität zu den Tunesiern ist gross.»

Niggli gibt zudem zu bedenken, dass viele der WSF-Teilnehmer aus Tunesien selber, Ägypten, Libyen oder umliegenden Gebieten anreisten. Angesichts der Ereignisse in ihren eigenen Ländern erschüttere sie wohl nicht so viel.

Solidarität

Sergio Ferrari der Nichtregierungsorganisation E-CHANGER/COMUNDO gehört zur Leitung der Schweizer Delegation und ist bereits seit dem ersten WSF 2001 dabei. Nach dem Anschlag am Mittwoch habe man die 60 Delegierten via E-Mail informiert, die Situation in Tunesien werde neu beurteilt. «Über 30 reagierten umgehend und forderten, nun müsse man erst recht nach Tunesien reisen», erzählt Ferrari.

Niemand habe aus Terrorangst abgesagt, «obwohl wir keine Sicherheitsgarantien geben können und alle Delegierten frei sind, auf die Reise zu verzichten». «Es geht einfach allen darum, sich solidarisch zu zeigen mit Tunesien und seinen Bürgern», so Ferrari.

Der Genfer Nationalrat Ueli Leuenberger (Grüne) ist einer von fünf Parlamentariern, die am Wochenende nach Tunis reisen. Auch bei ihm klingt es ähnlich: «Wir dürfen die Tunesier nicht im Regen stehen lassen und müssen nur schon aus Solidarität hinreisen», sagt der Politiker, der Tunesien zum neunten Mal besucht. Das Attentat in Tunis habe ihn zwar schockiert, seinen Entscheid, ans WSF zu reisen, jedoch nicht beeinflusst.

Das WSF in Tunis startet am 24. März. An diesem Tag organisiert das Forum zudem in Tunis eine Solidaritätskundgebung mit dem Motto «Völker der Welt gegen Terrorismus». (sda)